in ,

377, Am 21. März geht Wikipedia (vorübergehend) offline

Die Online Enzyklopädie Wikipedia schaltet für einen Tag den deutschsprachigen Dienst aus, am 21. März 2019 wird für 24 Stunden ein Shutdown die Webseite vom Netz nehmen.

Man stelle sich vor der österreichische Rundfunk (ORF) würde aufgrund der aktuellen Diskussion über die Rundfunkgebühren einen Tag lang sein Programm abschalten. Politik, Werbekunden, Wirtschaft und natürlich Konsumenten würden aufheulen. 24 Stunden lang keine Verkehrsmeldungen, keine Nachrichten, kein Wetterbericht keine Barbara Karlich Show oder die Simpsons. Nichts würde aus dem Äther kommen oder über den Bildschirm flimmern, Funkstille…

WIKIPEDIA ZIEHT EINEN TAG LANG DEN STECKER

Doch die Wikipedia wagt einmal mehr das Unvorstellbare, denn solcher Art „Blackouts“ gab es auch bereits in der Vergangenheit. Im deutschsprachigen Raum, in Dänemark, Tschechien und in der Slowakei kommt es am 21. März zu einer Abschaltung der Seite. Die Autoren drücken für einen Tag den Ausschaltknopf. Bereits am 8. März verkündete Thomas Planinger auf Twitter den Entschluss zu dieser Form einer „Online-Demonstration“ die in ihrer Bedeutung und Wirkung wohl massiv ist.

Wikipedia-Protest-210319-Österreich-Deutschland-Politik-Artikel 13
Bild: Die Abschaltung wird auf allen Seiten der Wikipedia angezeigt.

Zwar fällt die nicht kommerzielle Plattform nicht unter das geplante Regelwerk des aktuell so heiß diskutierten Artikel 13 der europäischen Urheberrechtsnovelle.
Jedoch könnte es auch Einschränkungen geben, auf die Wikipedia hinweisen will. Der Protest richtet sich generell gegen die Gesetzesvorlage und soll Druck auf die Politik machen. Von der  Aktion wird aber nicht die englischsprache Version betroffen sein.

Denn als größte Wissensansammlung der Welt schlägt sie selbst Lexika wie den deutschen Brockhaus oder die viel gerühmte und gewaltige Encyclopædia Britannica, die im Jahr 2010 – in ihrer letzten gedruckten Fassung – bereits 32 Bände umfasste.

OFFENE LEXIKA HABEN EINEN DEMOKRATIEPOLITISCHEN AUFTRAG

Für Schüler, Studenten, Lehrer, normale Bürger und auch Berufstätige ist die Wikipedia eine  unverzichtbare und selbstverständliche Wissensquelle geworden, kaum vorstellbar dass es sich hierbei um kein Unternehmen, sondern um eine gemeinnützige Stiftung handelt die vorwiegend durch Spendengelder finanziert und durch die Einträge von Freiwilligen gestaltet und fortgeschrieben wird.

Ein generelles Ende solcher Plattformen hätte auch demokratiepolitische Konsequenzen mit ungeahnten Folgen. Denn viele an Politik interessierte Bürger holen ihr Wissen über die Demokratie, politische Skandale und Affären, Parteien, Personen des öffentlichen und politischen Lebens aus diesen frei verfügbaren Archiven. Sie dienen als Quelle oder Verzeichnis um an weitere Informationen heranzukommen. Die Wikipedia ist laut Eigenangabe mit 2.283.863 in deutscher Sprache erschienen Artikeln ein immenser Pool für eine Vielzahl von Interessensgebieten und gleichzeitig ein Datenknoten der auf andere Webseiten, Bücher, Zeitschriften, Dokumentationen, Zeitungen usw., verweist und verlinkt.

Fehlen dieser Art Nachschlagewerke wird es schwieriger sich „neutrale“, „wertfreie“ und „wissenschaftlich-fundierte“ Informationen zu gewissen Themen zu besorgen – die zum Beispiel im Bereich der Politik –  nichts mit journalistischer Berichterstattung, staatlich gefärbten Beiträgen oder parteipolitisch interpretierten Sichtweisen zu tun haben.
Das etwa die deutsche Wikipedia nicht gerade unumstritten ist und Filme wie die „Dunkle Seite der Wikipedia“ auch aufzeigen, dass manche Autoren nicht uneigennützig arbeiten steht dabei außer Frage. Immerhin werden auch gerne politische Artikel auf der Wikipedia im Auftrag mancher Parteien geschönt und manipuliert, im Fachjargon nennt man solche Tätigkeiten „WIKI-WARS“.

Alternativen zur Wikipedia und Fachseiten zu allen möglichen Themen gibt es derweil viele, aber nur wenige können in der Themenbreite und teilweise in der Verständlichkeit mit dem mithalten, was der „Marktführer der Wissensweitergabe“ zu bieten hat. Als österreichische Antwort ist beispielsweise AEIOU zu nennen, diese Wissensplattform konzentriert sich aber in erster Linie auf Ereignisse, Personen, Organisationen und landesspezifische Themen die einen Bezug zu Österreich haben.

Zudem hat sich das „Wiki-Format“ auch als Basis für Online-Lexika durchgesetzt und wird etwa für Verzeichnisse die sich mit Schulphysik beschäftigen genauso genutzt, wie für Fandom- Projekte wie Memory Alpha eine Seite die sich mit alle dem beschäftigt was das TV- und Film-Franchise Star Trek und seinen Produktionshintergrund ausmacht. Früher hatte man hunderte Journale oder Bücher dazu im Schrank, heute bietet das Internet einen entsprechend „platzsparenden“ Fundus.

FAZIT:

Die breite Debatte um Artikel 13 erreicht einen Höhepunkt und der „Wikipedia Shutdown“ in mehreren Ländern zeigt auch dass der Protest nicht nur auf der Straße, sondern eben auch im Internet nun massiv an Fahrt gewinnt. Dabei offenbart sich gleichzeitig ein weiterer Aspekt der Wahrheit, die Diskussion rund um das neue Leistungsschutz- und Urheberrecht betrifft nicht nur amerikanische Großkonzerne, nein, sie macht per se vor Privatpersonen und ehrenamtlichen Initiativen nicht halt.
Es wird sich zeigen ob die Welt auch ohne Seiten wie Wikipedia wieder leben wollte, untergehen wird sie deswegen nicht, nur für einen Tag werden es die Bürgerinnen und Bürger einiger Länder nun erleben was es heißt wenn freies Wissen nicht mehr so frei verfügbar ist, als sie es bislang gewohnt waren.

BIS BALD,
EUER SIVIC

INSIDE POLITICS – MEHR ALS TAGESPOLITIK…

Liked it? Take a second to support Sivic on Patreon!

Written by Sivic

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Monarchismus in Österreich, im großen kleinen Land!

Julia Reda-Artikel13-EU Parlament-Brüssel-Urheberrecht

Julia Reda zu Artikel 13, Inside Politics Ep: 46