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226, Graz, City of Design = Wirtschaftsfaktor Design

Hallo zum 226. Blogbeitrag!

Graz ist ja bekanntlich vor einigen Jahren durch die UNESCO zur City of Design erklärt worden, ich war daher bei einer Diskussion zum Thema Kreativwirtschaft und Design im Grazer Presseclub und habe mir die Sache näher angeschaut.

Eines vorweg, auch wir haben unser Layout / Design angepasst und den Blog ein paar Änderungen verpasst und aufgeräumt. Kleiner Tipp, schaut immer wieder einmal auf das Videofenster rechts oben, da findet ihr auch neue Folgen meiner Serien, nämlich auch dann wenn die Schreibabteilung noch nicht soweit ist.
Und noch ein Tipp, wer den Youtube Kanal Inside Politics abonniert wird auch schneller informiert.

Wirtschaftsfaktor Design

Die Creative Industries Styria (CIS) lud am 10. September zur gleichnamigen Veranstaltung ein und präsentierte die Ergebnisse ihrer Arbeit der letzten Zeit und klärte darüber auf was der von der UNESCO vergebene Titel „CITY OF DESIGN“ für Graz bedeutet.

Bild 1: Wirtschaftsfaktor Design, was das heißt und für die Steiermark bedeutet 
wurde im Presseclub erklärt.

Schon in der Einladung wurden drei wichtige Zahlen genannt, die steirische Kreativwirtschaft zählt derzeit 4.000 Unternehmen die 14.000 Mitarbeiter beschäftigen, daraus folgt ein Umsatzerlös von 1,5 Milliarden Euro für das abgelaufene Jahr.
Diese drei Zahlen miteinander kombiniert klingen nach vollen Kassen und einen brummenden Motor, daher wollte ich wissen was dahinter steckt.

Kleine Anmerkung am Rande, laut einer Studie der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft, waren 2006 bereits 24.810 Personen in der Kreativwirtschaft allein in Graz und Graz Umgebung tätig und generierten ebenfalls 1,5 Milliarden Euro „Bruttowertschöpfung„.
Kann es also sein dass sich hier die Zahlen ein bisserl widersprechen ;), zu blöd dass ich darauf nicht früher gekommen bin.

Graz, City of Design

Damit sind wir auch schon beim Thema Design welches nicht nur ein Statement sondern auch „Bares“ bedeuten kann und letzteres freut natürlich den Wirtschaftsstandort Steiermark.

Neben dem Designer-Duo Martin Lesjak / Anastasija Sugic und dem Chef der CIS Eberhard Schrempf, waren ebenfalls die zuständigen Politiker Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann und der Grazer Wirtschaftsstadtrat Gerhard Rüsch zugegen und diskutierten über Design genauso, als auch über die kulturellen und wirtschaftlichen Aspekte die dieses mit sich bringt.

Unisono wurden die Möglichkeiten die durch die UNESCO Initiative City of Design entsprechend betont und damit einhergehend auch die vielen Chancen die sich für Designschaffende in Graz ergeben. Zu erwähnen ist hier auch dass das Prädikat „City of Design“ auch anderen Städten übergeben wurde und man auf Basis des dadurch entstandenen Netzwerkes internationale Kooperationen eingehen kann, die es vielleicht anderwertig nicht gebe.

Video 1: Bei Inside Politics geht es diesmal um den Wirtschaftsfaktor Design und seine Bedeutung für die Steiermark in der Gegenwart und Zukunft.

Ob ein Design nun vorwiegend aus glatten Flächen und geschwungenen Linien besteht, ob die klassische Tracht oder die Formengebungen der Renaissance diese oder jene Stilrichtung mehr oder weniger beeinflussten, spielte hier aber weniger eine Rolle.

Wohl muss aber auch berücksichtigen dass Traditionen und regionale Bedingungen (Wetter, religiöse Einflüsse, Klima, gesellschaftliche Aspekte) sehr wohl in ein Design einfließen können.

Die Frage ob es also eine einheitliche steirische Designlinie / Formensprache gebe und wie Design an sich zu definieren sei, war daher ein wesentliches Element der Diskussion die sich zwischenzeitlich auch um den Bereich Formgebung auf Basis des Verwendungszweckes drehte.

Design ist ein Teil unseres Lebens…

… und oft auch Ausdruck unserer Kultur und inneren Einstellung.
Dies kam sehr deutlich in der Debatte zum Vorschein und war für mich auch Grund zu der Veranstaltung hinzugehen, denn mein persönliches Faible für Design und Formen beeinflusste mich auch in der Wahl meines Studiums.

Ich bin vor allem ein Typ der in eine Form integrierte Eigenschaften schätzt und liebt und das hat nicht nur mit meiner Liebe zu Star Trek und dem Raumschiff Enterprise zu tun.
Diese Einstellung zum Integrierten Design zu greifen, findet sich bei mir auch im Kauf von Produkten wieder, mein Tablet besitzt einen ausklappbaren Stand und ich ziehe Bitschraubenzieher gegenüber jeder Sammlung von vielen einzelnen Schraubenziehern in unterschiedlichen Größen und Formen in jeder Hinsicht vor. 

Bild 2: Das Design der USS Excelsior orientierte sich bewusst am japanischen Industriedesign der 80er Jahre. (Quelle: Star Trek VI, Paramount Pictures)

Und ausgerechnet die Science Fiction ist ja ein Mekka für Designer, Architekten und Freunde der Formgebung die sich einmal so richtig austoben wollen und gerene einmal auch die Gesetze gängiger Designlehren oder der Physik auf den Kopf stellen wollen. Ob Legenden wie Syd Mead der die Welt von Blade Runner zeichnete oder Matt Jeffries dem Designer dieser ersten Enterprise, hier haben sich oft viele uns namentlich gar nicht bekannte Personen mit ihren „Kunstwerken“ verewigt.
Wenn es jemand interessiert dann darf ich euch die Serie Trekyards empfehlen, in der die beiden Trekkies Stuart Foley und Samuel Cockings verschiedenste Entwürfe aus dem Star Trek Universum auf Herz und Nieren mit den Designern (z.B. Andrew Probert, Rick Sternbach, Jon Eaves und Doug Drexler) selbst ausdiskutieren.

 Bild 2: Riutbag ein Rucksack an dessen Entwicklung die Anwender direkt teilnehmen können

Zurück zur Praxis der RiutBag (Rucksack) aus England der ordentlich via Kickstarter gepuscht wurde, zeigt wie zweckmäßiges Design in Verbindung mit intensiven Kundenkontakt weiterentwickelt werden kann.
Dieser Rucksack der seinen Reißverschluss auf der Rückseite hat, wurde von Nutzern und potentiellen Kunden gemeinsam mit dem Designteam entwickelt.
Diese Firmenphilosophie Designverbesserungen gemeinsam auszuarbeiten zeigt Wirkung, dadurch entstehen auch neue Produkte (z.B. unterschiedliche Größen) und die Behebung von Designmängeln die im Alltag auffallen.
Das Ergebnis ist nicht nur eine neue Kickstarterkampagne die zwei Wochen vor ihrem Ende bereits das angestrebte Finanzierungsziel (43.000 Pfund) beinahe verdoppelte, sondern mit 81.000 Pfund schon jetzt um ein Viertel mehr Geld eingenommen hat als die erste Kampagne vor etwas mehr als einem Jahr.

Investitionen müssen sich lohnen

Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang aber auch die klar kommunizierte Forderung von Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann, dass für das investierte Steuergeld künftig mehr neu geschaffene hochwertige Vollzeit-Arbeitsplatzequivalente geschaffen werden müssen und sich somit Investitionen auch auszahlen müssen.

Bei solchen Aussagen muss man aber vorsichtig zu sein, eine allzu konservative wie auch vorsichtige Vergabepolitik von Fördermitteln kann durchaus zu einer stagnierenden Entwicklung führen.
Es hat aber natürlich nur bedingt Sinn wenn Produkte von Firmen entwickelt werden die dann nur durch Bestellungen aus dem öffentlichen Sektor am Leben gehalten werden (das kann man aber nicht immer im Vorfeld wissen), weil sie am freien Markt sonst nicht gefragt sind.
Dabei macht es aber sehr wohl einen Unterschied ob es sich um einen Nutzgegenstand oder z.B. um ein medizinisches Gerät handelt.

Anastasija Sugic sprach z.B. vom „Scheitern“ als Lernprozess und meinte das man eben viele Dinge ausprobieren müsse, bevor man zu einer endgültigen Form käme, wer schon einmal mit Projektentwicklungen zu tun hatte oder im Projektmanagement tätig war, wird wissen was gemeint ist.
Damit sprach sich Sugic auch für Räume und Fördermittel aus, die Stadt und Land weiterhin zur Verfügung stellen mögen um kreative Köpfe auch zu fördern und bei der Entwicklung ihrer Ideen zu unterstützen.
Wer wiederum bedenkt dass die Steiermark eine „Budgetkorrektur“ im dreistelligen Millionenbereich vor sich hat, weiß auch wo Buchmann den Gürtel enger schnallen muss.

Übrigens die Einstellung Buchmanns (Investitionen müssen sich lohnen) war einer der Gründe des Rücktritts von Peter Pakesch  dem „künstlerischen Leiter“ des Universalmuseums Joanneum.
Pakesch warf der Politik und somit Buchmann vor, zu sehr auf Quoten anstatt auf Qualität zu achten. Wer in dieser Angelegenheit aber in wessen Wadel gebießen hat und wenig Dankbarkeit zeigte, kann ich nicht genau sagen, Ehestreits sind nicht mein Fachgebiet.
 
Die suggestiv gesetzte Warnung des Wirtschaftslandesrats dass die City of Design also kein weißer Elefant sein darf zeigt auch dass er der österreichischen Mentalität Geld ins Nichts zu investieren einen Riegel vorschieben will. Unser Land ist ja dafür bekannt solche Auszeichnungen zu funktionalisieren und Parteigängern in eigens geschaffenen Institutionen, Positionen einzurichten um diese zu versorgen und dabei gleichzeitig Verantwortung auf Kosten der Steuerzahler zu suggerieren.

 
Video 2: Ein Sketch aus den 70ern persifliert das Projekt Austro Porsche und die Glücksritter die damals auf Staatskosten ihre „Ideen“ subventionieren lassen wollten.

Das Investitionen sich auch lohnen müssen wusste schon Bruno Kreisky und daher sei euch der nun eingeblendete Sketch mit Maxi Böhm und Erwin Steinhauer in den Hauptrollen, die ihren Senf zum viel diskutierten „Austro Porsche“ (Kreisky’s Prestigeprojekt) abgeben, herzlichst vergönnt.

Bild 3: Da hat unser Designer dezent Hand angelegt.

Zum Schluss noch ein kleiner Scherz, weil es ja gerade Mode ist haben wir der ÖVP ebenfalls ein Taferl gebaut, auch ein Ausdruck von Design ;).


Habt euch wohl:
Euer Sivic

Written by Sivic

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