Ob Murkraftwerk, Staustufe, Stadtstrand, Surfwelle oder Mur-Gondel, die Grazer Parteien haben in den letzten beiden Jahrzehnten oft die Mur zum Thema gemacht. Nun will die ÖVP mit der „Lebensader Mur“ den Fluss mehr ins Zentrum der Stadt rücken. Franz Zussner hat sich die Pläne näher angesehen.
Was die Donau der Bundeshauptstadt Wien ermöglichte, nämlich die Umgestaltung zu einer Insel mit hohem Erholungs- und Freizeitwert, soll für die Landeshauptstadt Graz die Mur in ähnlicher Weise leisten. ÖVP-Stadtrat Kurt Hohensinner stellte bei einer Pressekonferenz im Rathaus seine Pläne für die Neugestaltung der beiden Murufer vor. Unter dem Titel „Lebensader Mur“ soll der Hauptstrom der Steiermark, der mitten durch die Landeshauptstadt fließt und diese in zwei Hälften teilt, zu einem verbindenden Element, einem Kraftort mitten in Graz sowie zu einer echten Lebensader für die gesamte Stadt werden. Gemeinsam mit dem Architekten DI Guido Strohecker, dem Ziviltechniker DI Robert Wendl und Bernhard Bauer vom Wirtschaftsbund Graz wurde das innovative Projekt „Lebensader Mur“ Ende Mai im Grazer Rathaus vorgestellt.
„LEBENSADER MUR“ – DIE MUR ALS WIRTSCHAFTLICHER MOTOR UND LEBENSRAUM
Die Mur soll beide Stadtteile vereinen und eine Lebensader für alle Menschen in der Stadt werden. Eine Lebensader für Sport, Freizeit und Aufenthaltsqualität. Dazu dienen attraktive Uferbereiche mit neuen Impulsen für Gastronomie und Veranstaltungen, betonte auch Bernhard Bauer vom Wirtschaftsbund. Nachbarstädte wie Maribor/Marburg und Ljubljana/Laibach zeigen eindrucksvoll, wie man durch Festivals, Gastronomie und Veranstaltungen aller Art entlang des Flusses Gäste aus aller Herren Länder anzieht und in die Innenstadt bringt.

Dies schafft auch Arbeitsplätze und sorgt zu guter Letzt für Kommunalsteuereinnahmen. Dieser wirtschaftliche Motor wurde bis dato nicht genutzt, sondern einfach brachliegen gelassen. Das soll sich nun sukzessive ändern. So sollen diese Pläne Schritt für Schritt in den kommenden zehn Jahren umgesetzt werden. Ja, Partner wird man dafür benötigen, aber Hohensinner ist frohen Mutes, dass sich aufgrund der guten Idee für die Stadt politische Partner finden werden. Doch neben den guten Ideen müssen auch noch sehr viele Arbeiten an beiden Seiten der Mur sowie beim leidigen Thema Straßenverkehr und Parkplätze durchgeführt werden.
UFERSTRAßEN WERDEN ABGETAUCHT – FOKUS AUF DEN ANDREAS HOFER PLATZ
Der Autoverkehr, soll nicht behindert werden, sondern unterirdisch fahren, so Hohensinner. „Wir wollen die Autos nicht aussperren, so wie es teilweise die Stadtregierung tut, sondern den Individualverkehr vom Marburger Kai bis zum Andreas Hofer Platz unterirdisch führen und mit dem neu geplanten Parkhaus am Andreas Hofer Platz verbinden“, so der Stadtrat.

Außerdem soll der Bereich vom Nikolaiplatz bis zum Entenplatz verkehrsberuhigt werden. Dadurch entsteht mehr Platz für Grünflächen, Boulevards, Veranstaltungszonen, Cafés, Bars und Gastgärten mit Murblick. Im Vordergrund stehen die Menschen in Graz, die durch die erlebbare Gestaltung des Murufers neue Möglichkeiten für die innerstädtische Freizeitgestaltung erhalten – bis hin zum Baden in der Mur.
MURAUGE UND SURFWELLE
Das Zentrum der Freizeitzonen bildet das sogenannte „Murauge“, das direkt am Wasser zwischen Radetzkybrücke und Tegetthoffbrücke angesiedelt ist – eine kleine Arena in der Mitte des Flusses mit Tribünen und Sitzstufen, die zur Mur hin ausgerichtet sind. Im Murauge können Konzerte, Veranstaltungen, Silvesterfeiern unmittelbar am Wasser sowie verschiedenste Wassersportaktivitäten stattfinden. Pläne für eine Surfwelle feiern dabei wahrscheinlich ein Comeback. Diese soll sich im Zentralbereich der Arena befinden. Ein speziell geformter „Wave Shaper“ dient zur Erzeugung der Wellenbewegung in der Arena.

Abseits des Surfens können auch Kanu- und Kajakfahren ausgeübt werden. Eine Million Touristen besuchen die Grazer Innenstadt aufgrund der öden Infrastruktur – auch an der Mur – pro Jahr weniger, und das ist sehr schade und soll anders werden, so Hohensinner. Daher wäre die Errichtung der Lebensader Mur, wie beschrieben, samt den vorgesehenen Wasserspielen (Fontänen), ähnlich wie z. B. im kroatischen Zadar und – wie der Autor dieser Zeilen es gesehen hat – auch in der Drau in Villach, ein absolutes Muss für die Position von Graz als „Hotspot“ sowohl für die Bevölkerung als auch für die vielen Touristen, die Graz besuchen.
WAS SOLL DIE „LEBENSADER MUR“ KOSTEN?
Das Grundgerüst (die Planung) steht und wird nach der Wahl am 28. Juni 2026 möglichen Partnern unterbreitet werden. Hohensinner hofft, dass „sein“ Projekt das Interesse der anderen Parteien wecken könnte. Was die Kosten betrifft, macht Hohensinner keine Angaben. Das Projekt ist auf rund zehn Jahre angelegt und würde sich laut ihm finanziell ausgehen. Zusätzlich rechnet Hohensinner mit einer möglichen Förderung durch die EU für die Gestaltung beider Murufer und, wenn möglich, auch mit Beteiligungen privater Interessenten. Andere wichtige Projekte, wie die Belebung der Annenstraße sowie die Förderung und Gestaltung des öffentlichen Verkehrs, bleiben natürlich ebenfalls im Fokus der ÖVP Graz.
Mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie unter: www.murcenter.at
Bericht und Bilder: Franz Zussner
Bearbeitung: Claudio Schiesl
INSIDE POLITICS – MEHR ALS TAGESPOLITIK…

