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Blubb, Blubb, Blubb, was war denn das?

Nach einer kleinen Pause von zehn Tagen muss ich euch natürlich wieder etwas neues servieren, sonst bricht der Leserstrom wieder zusammen.

Ich habe ja zuletzt ordentlich Gas gegeben wollte auch weitermachen aber dann hat unerbittlich die Osterpause zugeschlagen und ich hatte dann erst keine große Lust etwas zu schreiben.

Nun, Ostern ist vorbei der April dauert noch eine Woche und bei den täglichen Nachrichten die man die gesamte Zeit erhält, kommt einen vor dass der 1. April 30 Tage dauert.

Zuerst hat es noch medienwirksam inszeniert den Osterfrieden in der Ukraine gegeben, der groß in Genf gefeiert wurde, während die Separatisten in der Ostukraine wenig davon hielten.

Und recycelt der ORF die Schlagzeile von letzter Woche und kündigt wieder einen Militäreinsatz in der Ostukraine an. Auch die Russen scheinen von den Ergebnissen in Genf nicht besonders begeistert zu sein und lassen SU-24 (schönes Bild und tolle Lackierung) aufsteigen um amerikanische Zerstörerbesatzungen in den Wahnsinn zu treiben.

Bei Ria Novosti muss der ein oder andere Ex-Marineexperte sitzen, es fällt doch auf dass innerhalb von zwei Wochen sechs Artikel über amerikanische Kriegsschiffe im Schwarzen Meer veröffentlicht wurden, wovon sich fünf mit den Zerstörer USS Donald Cook (nein nicht „Duck“ 😉 ) beschäftigen. Und Ria Novosti berichtete schon im Februar über das Einlaufen besagten Schiffes im spanischen Rota.

Kurz gesagt, es geht ja nicht um das Schiff per se, in Ermangelung eines amerikanischen Flugzeugträgers wird dann natürlich über das Gerät berichtet was halt gerade dort herum schippert. Und weil man lustig ist, stört man noch einmal kräftig das Aegis Feuerleit- und Ortungssystem, führt simulierte Raketenabschüsse zwölf mal über eine in Panik geratene amerikanische Mannschaft im Tiefflug durch und bringt 27 Matrosen beim nächsten Landgang dazu, den Dienst zu quittieren. Ob das alles stimmt, sei einmal dahingestellt, aber für die russische Seele ist das wie Balsam auf den gepeinigten Rücken.
Und wenn man schon dabei ist Gedenkmünzen an die Krim-Rückholung mit dem Konterfai des geliebten Füherers, eh Präsidenten zu prägen, dann kann man den Wegfall der Verbündeten wohl mit harten Silber, oder Devisen, wie man früher sagte, gut kompensieren.

Es ist schön sich durch russische Zeitungen zu lesen, da weiß man wenigstens dass dies Propaganda ist, aber bei uns wird das einem als freie Presse verkauft.

So und jetzt ein kleiner Stilbruch, im Gegensatz zu unserer Bildungsministerin bin ich ja an Weiter- und Fortbildung der breiten Masse interessiert und möchte auch dass ein oder andere zu kurz gekommene Kommentar von Fefe ( Son Apr 13 2014 ) bezüglich Schiffsklassifizierungen und die diplomatische Lage im Schwarzen Meer etwas näher betrachten, der folgende Teil des heutigen Blogeintrages beschäftigt sich daher etwas mit Aufrüstungspolitik.

Es gibt kein technisches Problem das juristisch nicht gelöst werden kann!

Zugegeben der Spruch ist aus dem Vortrag „Bullshit made in Germany“ von der C3 2013 in Hamburg übernommen, zeigt aber deutlich dass die mit Federn geschriebenen Papiere auch nur solange bestand haben bis jemand mit einem Panzer oder Schlachtschiff vor deinem Garten auftaucht und meint du musst den Zaun 10m nach hinten rücken, beim einreißen hilft er Dir natürlich gerne.

Nicht nur Putin macht das gerne, auch etliche historische Vorbilder haben eine solche Politik betrieben.

Und wenn wir schon bei Kriegsschiffen und Flugzeugträgern sind, dann muss ein bisserl weiter ausholen da ich ja schon die ganze Zeit darüber schreiben wollte, denn gute Miene zum bösen Spiel galt im Metier des Flottenbaus immer schon als Grundmaxime.

„Schau ein Kriegsschiff am Horizont!“

Die Präsenz von Schiffen der NATO ist immer ein brisantes Thema, egal wo sie auf der Welt herum fahren, Kanonenbootpolitik ist erklärter Maßen ein Zeichen um seinen Zielen mehr Ausdruck zu verleihen.

Im Schwarzen Meer gleich noch einmal mehr, denn dort darf die USA nicht einfach so mit ihren Flugzeugträgern einfahren da der Vertrag von Montreux (regelt die Durchfahrt durch Bosporus, Marmarameer und Dardanellen) dies explizit untersagt, auch dürfen Kriegsschiffe von Nicht-Anreinerstaaten nicht länger als 21 Tage im Schwarzen Meer verbleiben und gleichzeitig dürfen nicht mehr als 15.000ts an Kriegsschiffen, sowie keine Kriegsschiffe über 10.000ts als auch U-Boote aus Nicht-Anreinerstaaten durch den Bosporus fahren.

Dieser Vertrag ist eben auch ein Kind seiner Zeit, der Vertrag von Versailles verbot dass die Deutschen nach 1919 keine Schlachtschiffe über 10.000ts haben durften und das Washingtoner Flottenabkommen regelte zwischen den Alliierten nach dem Weltkrieg die Flottengröße, da ist natürlich klar dass man beim Dardanellen-Vertrag dem Geiste der damaligen Gedankenwelt folgend, ähnliche Ideen umsetzte.

Dass die Russen dies natürlich entsprechend ein-mahnen liegt auf der Hand und so ein Zerstörer der Arleigh Burke Klasse streift auch schon etwas an besagter Tonnagegrenze, die neuen Zumwalt Zerstörer könnten theoretisch nicht mehr rein. Daran halten tun sie sich aber selbst nicht wirklich, weil ihre Flugzeugträger ja „offiziell“ Flugdeckkreuzer sind. Gut so etwas lauft unter Schutz der eigenen Interessen.
Denn wer will schon von den Türken darauf hingewiesen werden, dass das neue Flaggschiff welches auf der Krim (dort sind auch große Werften) gebaut wurde, nie das Schwarze Meer verlassen darf und somit eine überdimensionierte Quietsche-Ente darstellt?

Aber die Sache mit Schiffsklassifikationen hatten wir ja schon einmal, ich erwähne nur ein paar sehr prominente Beispiele wie die deutsche „F-125“ (größte Fregatte der Welt), oder die japanische Hyuga Klasse (Helikopter-Zerstörer mit flachen Aufbauten).

Doch wie kommt es eigentlich zu solchen Geschichten?

Kurz gesagt es braucht immer einen Vorwand, sei der nun diplomatischer Natur (Aufrüstungsverbote, Durchfahrtsabkommen etc.), oder aus militärischen, politischen, oder finanziellen Motiven nicht anders begründbar.

Kriegsschiffe kosten viel Geld und sind sensible Gerätschaften die auch historisch bedingt und ob ihrer Größe einen gewissen Eindruck hinterlassen, es sind nun einmal die größten Kriegsmaschinen der Welt die immerhin mit ein Grund waren, warum die Briten nach dem 1. Weltkrieg an den Rand eines Konkurses fuhren, schlichtweg hatten sie einfach zu viele Schiffe und zu wenig Geld, Meutereien und Streiks und weniger Neubauten inklusive.

Und aus solchen Fehlern lernt man halt, was in den 1960er Jahren auch zu Streichungen etlicher Schiffsbauprojekte auf der Insel führte. Dann haben sich halt ein paar gefinkelte Politiker die im House of Commons die Gelder für die nächsten Flugzeugträger der Royal Navy genehmigt bekommen wollten, etwas überlegt und diese kompakteren Träger (mit etwas über 20.000ts sind die wirklich klein) halt als Flugdeckkreuzer benannt, ein Argument dass man sich bei der Invincible Klasse auch noch einreden lässt. Man könnte sie auch als Eskortträger bezeichnen, aber wie auch immer es war damals eine politisch kritische Situation, England war wirtschaftlich auf Talfahrt gegangen, sozialpolitisch in einer schwierigen Lage und nach den USA das Nr. Zwei Ziel russischer Atomraketen. Als dann erste Träge dann schließlich fertig war wollte man ihn dann auch kurz danach an die Australier verkaufen, da die ihre alte Melbourne bald außer Dienst stellen wollten und dann kam Argentinien und wollte die Falklands wieder haben.

Der Rest ist Geschichte und wer das britische Ehrgefühl und deren Traditionsbewusste Herangehensweise kennt, wird verstehen dass Großbritannien nicht weiche und man sich kurz danach keine größeren Diskussionen um die Flottenabrüstung geleistet hat, dies kam erst nach dem Kalten Krieg und Ende der 90er Jahre wieder deutlicher zur Geltung.

Nur kurz nochmal zu Flugdeckkreuzern, echte Vertreter waren z.B. die Schiffe der Kiew Klasse, welche neben den Flugzeugen und Helikoptern über eine große Zahl von Raketen und Geschützen verfügten, diese waren auch deutlich größer als ihre britischen Gegenstücke.

Für juristische Probleme gibt es manchmal auch technische Lösungen:

Dass eine Umbenennung von Schiffstypen auch manchmal militärisch und nicht nur politische Gründe hat, sieht man an den Fregatten der heutigen Zeit.
Der Begriff Fregatte beschrieb ursprünglich Schiffe die etwas kleiner als Linienschiffe waren, also klassische Segelfregatten und wurde nach und nach durch den Begriff Kreuzer ersetzt.
Denn kreuzen war die Hauptaufgabe von Fregatten, sprich zwischen den Ozeanen und Meeren dieser Welt Handelsschiffe abfangen und diese Gebiete schön unsicher machen und stören. Diese Aufgabe auch Handelskrieg genannt, übernahmen zunehmend Kreuzer und Zerstörer, der Begriff Fregatte verschwand ungefähr ab 1880 aus den Schiffsregistern und tauchte nach dem 2. Weltkrieg langsam wieder auf und beschrieb einen Schiffstyp der zwischen Korvette und Zerstörer einzuordnen war und als Mehrzweckkampfschiff unterschiedliche Aufgaben in der Bekämpfung, von Luft-, See- und Landzielen übernahm.

Da heutige Zerstörer aber schon die Ausmaße von Kreuzern und teilweise sogar von Einheitslinienschiffen wie der SMS Habsburg aus dem frühen 20. Jahrhunderts erreicht haben, gingen einige Marinen wieder dazu über den Begriff Fregatte als Schiff über dem Zerstörer zu verwenden.
Politisch natürlich toll, weil man mit diesem Wort gemeinhin ein Begleitschiff und kein Schlachtschiff verbindet.
Aber dies muss zur Ergänzung auch gesagt werden die heutigen Schiffe können es durch ihre Raketenbewaffnung, locker mit der Feuerkraft von Schlachtschiffen aus dem zweiten Weltkrieg aufnehmen, respektive übertrumpfen diese, von den Verteidigungsmaßnahmen ganz zu schweigen.
Wenn Du jemanden 1945 gesagt hättest, dass du eine Granate mit einem vom Radar geführten und von einem Computer gesteuerten Maschinengewehr bis zu 3 km vom Schiff entfernt runter schießen kannst, ich glaube das hätte wohl damals kein Soldat geglaubt.

Die Natur des Militärs hat sich eben verändert, natürlich kann ein Schiff, oder 10 Flugzeuge nicht die Arbeit von einer ganzen Flotte übernehmen, eine gewisse Quantität braucht es, dass diese von der Politik gerne runter reduziert und mit technischen Neuerungen schön geredet wird, das ist eine völlig andere Sache.
Aber ja, getrickst wird halt überall, nicht nur beim Bundesheer.

Ich entlasse euch nun und wünsche noch viel Spaß mit Barack Obama der Mitt Romney erklärt was Flugzeugträger sind.

Written by Sivic

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