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156, „Okkupationstag“ oder „Wenn ein Krieg endet!“

Gestern vor 96 Jahren landete der italienische Zerstörer Audace die ersten Soldaten in Triest an. Aus diesem Grund wurde auch die Mole San Carlo in Mole Audace umbenannt und ist bis Heute ein Symbol des italienischen Sieges (Vittorio Veneto) über Österreich.

Bild 1: Zerstörer Audace auf offener See.

Ich weiß bei uns kratzt das natürlich keinen mehr, dass die italienischen Offiziellen ihren „Feiertag“ am 4. November natürlich mit allen militärischen Ehren zelebrieren müssen, gefällt in den besetzten Gebieten, also dem  Trentino, Süd-Tirol, Friaul und dem ehemaligen Küstenland den wenigsten Leuten, die meisten Menschen gehen wie gewohnt ihrer täglichen Arbeit nach und lassen sich nicht einmal von dieser Propaganda und Selbstdarstellung einiger Nationalisten berieseln.

Und insbesondere die vom österreichischen Joch befreiten und bis Heute deutschsprachig gebliebenen Süd-Tiroler freuen sich jedes Jahr von neuem über dieses Datum, als die Front zusammenbrach und der Waffenstillstand am 4.11.1918 in Kraft trat.

Befreit wurde hier nämlich niemand, Unterwerfung und Unterdrückung nahmen nur einen neuen Anlauf um den Nationalismus tief ins europäische Herz zu drängen.

 Bild 2: Militärische Machtdemonstration, italienische Kriegsschiffe vor dem Piazza Grande in Triest.  (Quelle: Dino Lovrencic)

Wie gesagt, die römische Regierung (egal wer gerade an der Macht ist) liebt es schon seit Jahrzehnten, ihre „Siege“ zur Schau zu stellen und deswegen ist der italienische Flugzeugträger Cavour samt Begleitschiff der Fregatte Virginio Fasan (Kennung F 591) nach Triest verlegt worden. Und die Virginio Fasan ist natürlich an der Mole Audace vor Anker gegangen. Und in Bozen wird heute natürlich wieder ein offizielles Gedenken veranstaltet, ein Schlag ins Gesicht jedes Menschen der mit Nationalismus und Siegesgedenken nichts zu tun haben will.

Bild 3: Gedenkstein zu Ehren der K.u.K Freiwilligen Schützenfeldkompanie 3/II, in Sistiana.
(Quelle: Roberto Todero, Treno Storico Trieste) 
Und während das offizielle Italien heute seinen Sieg als Tag der Vereinigung Italiens feiert, gibt es etliche Kulturvereine die nicht den Sieg sondern die Menschen in den Vordergrund stellen, so fand in Sistiana am 1. November eine Gedenkveranstaltung zu Ehren der Gefallenen an der Isonzofront beim dortigen Denkmal statt, organisiert und getragen von Gruppen (Treno Storico Trieste) die beide Uniformen trugen (also die ital., als auch die öst.-ungarische) und auch für die Errichtung des Gedenksteins am Triestiner Bahnhof mitverantwortlich waren.

Bild 4: Gemeinsames Gedenken zu Ehren der Gefallenen an der Isonzofront.

(Quelle: Roberto Todero, Treno Storico Trieste)   
 
Das Denkmal in Sistiana ist ein Zeugnis der enormen Verluste die dieser sinnlose Krieg mit sich brachte. Nach dem ersten Ansturm der königlich italienischen Armee im Mai 1915 verfestigte sich hier kurz nach Monfalcone die Frontlinie und sollte sich bis zum öst. Durchbruch bei der Schlacht von Karfeit 1917, kaum verändern.
Viele Triestiner hängen heute Doppeladlerfahnen, oder Flaggen des alten Österreichs auf, viele Menschen denken heute der Verluste die ihre Familien ertragen mussten, egal auf welcher Seite Sie standen, da sollten auch wir darüber nachdenken was wir diesen Leuten zu verdanken haben, die in zwei blutigen, desaströsen und gewaltverherrlichenden Weltkriegen nicht nur ihr Leben sondern ihr gesamtes Sein ließen.

Wer sich interessiert, diese Woche finden in Triest zwei Gedenkveranstaltungen statt, ein Hochamt in der Kathedrale von San Giusto für den seligen Kaiser Karl I. am kommenden Freitag um 19 Uhr und eine überkonfessionelle Gedenkfeier zu Ehren der gefallenen Soldaten Österreich-Ungarns am kommenden Sonntag um 10:30 am öst.-ung. Militärfriedhof in Prosek.

Ein Nachwort zum Schluss:

Am Ende waren wir dann doch die moralischen Sieger, die Europäische Union ist ein Abbild der einstigen Monarchie, die es trotz vieler Differenzen schaffte die Völker zu einigen, was danach kam ist jedoch übersteigte die schlimmsten Horrorvorstellungen.
 
Wir gingen den Weg von der Humanität (Zeit der Aufklärung und Liberalisierung), über die Nationalität (Bildung von Nationalstaaten ab Mitte 19 Jhd.), zur Bestialität (1. und 2. Weltkrieg), um Franz Grillparzer zu zitieren. Es wäre gut wenn ich sagen könnte, wir hätten es hinter uns, dabei fängt das ganze Spiel wieder von Vorne an.
Viribus Unitis:
Sivic
PS:
Wen es interessiert, ich bin heute gegen 16:00h am St. Leonhard Friedhof (Tegethoff Grab), dort findet man all die Seelen die einst bei Lissa und später am Isonzo fechten mussten.

Written by Sivic

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