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155, The Enterprise Incident!

Willkommen zum 155. Blogeintrag.

Eigentlich wollte ich einen kleinen Überblick machen, andererseits halte ich es für pietätlos das Unglück von Freitag mit anderen Themen zu vermischen und auch wenn der Titel des heutigen Blogs wie der Name einer Star Trek Episode klingt, so ist er traurige Realität.

Weil heute Allerseelen ist, möchte ich diesen Beitrag den in allen bislang gesichteten Presseberichten namenlos gebliebenen Co-Piloten widmen der beim Absturz der VSS Enterprise einem Shuttle der Space Ship Two Klasse, die von Virgin Galactic eingesetzt wird, sein Leben lies.

Video 1: Aufnahmen von einem früheren Testflug und dem Absturz.

Die Gründe warum man die Namen der Piloten nicht nennt muss man jetzt nicht verstehen, ich persönlich möchte aber eben einmal mehr betonen dass der Tod nicht ein Abschreibposten ist. Es wird hier gleichzeitig auch klar dass die kommerzielle / private Raumfahrt keinesfalls zu 100% sicher ist, sie ist genauso sicher wie auch unsicher, wie es die staatliche Raumfahrt immer war und heute noch ist.

Anscheinend führte der neu eingesetzte auf Polyamiden basierende Treibstoff zu einer Explosion, ich nehme mal an das es Labortests gab, ob man vorher wie z.B. bei der NASA durchaus üblich, eine unbemannte Drohne mit dem Treibstoff in die Höhe geschickt hat, konnte ich bislang nicht herausfinden, auch ist Virgin sehr zögerlich mit der Herausgabe von Informationen, der „Image-Schaden“ (ich weiß das klingt zynisch) ist jetzt schon enorm.
Und man stelle sich erst vor was für ein Echo durch die Medienlandschaft / Öffentlichkeit gehen würde wenn die Enterprise, oder die Voyager (Zukünftiges Schwesterschiff) im Tourismus-Betrieb abgestürzt wäre, eine neue Titanic Katastrophe wäre da durch unsere Gesellschaft gerollt und der Private Weltraum-Tourismus wohl endgültig in Frage gestellt worden.

Wir dürfen uns aber auch nicht der Illusion hingeben dass nur weil wir den Raumschiffen und Gerätschaften mit denen wir tagtäglich umgehen, so scheinbar unverwundbare Namen wie Enterprise oder Voyager geben, diese auch gleich zu unzerstörbaren Werken unseres Schaffens machen.
Das Märchen der unfehlbaren Privaten Raumfahrt ist nun auf die bitterste Art widerlegt worden, es gibt auch gute Gründe warum Virgin Galactic keine frei verfügbare Aktiengesellschaft, sondern eine Limited liability company, mit wenigen Shareholdern ist.

Dieser sehr ausführliche Bericht von Daily Mail zeichnet in mehreren Bildern und Grafiken die Ereignisse und den Umgang mit diesen durch die Unternehmungsführung nach.

Die Diskussion ob der Weltraumtourismus nun am Ende ist, ist meiner Meinung nach, nicht mehr als ein medial aufgebauschtes Mediengewitter. Wenn man vergleicht welche Unglücke es auch in jüngerer Vergangenheit gab, dann dürften wir uns nicht mal mehr aus dem Haus trauen, es stellen sich aber sehr wohl Fragen zum Risikomanagement, der Katastrophenprävention und einheitlichen Standards, insbesondere bei Privatunternehmen.
Außerdem vergesst die Verluste an menschlichen Verlusten bei den staatlichen Weltraumagenturen Russlands und der USA nicht, es ist nicht eine Frage welche Institution die Flüge durchführt es ist eine Frage des Umgangs und der Methodik mit dieser Thematik.

Ein Beispiel ist etwa die Red Bull Stratos Mission, also der Stratossphärensprung von Felix Baumgartner, wäre da etwas schief gegangen, hätte Red-Bull einen mediale Schmutzkampagne ausgelöst, der dem Unternehmen unter Umständen einen Imageverlust in Milliardenhöhe eingebracht hätte, so starben übrigens schon etliche Leistungssportler unter dem Zeichen des fliegenden Bullen und medial gab es beinahe keine Rezeption dieser Ereignisse.

Video 2: ARD-Dokumentation über tödliche Unfälle von Red-Bull Sportlern.

Ich sehe sowohl bei Red-Bull, Virgin Galactic, Tesla und wie eben all die anderen Aufsteiger der letzten 20 Jahre heißen, zwar eine enorme Leidenschaft und einen Drang zum Fortschritt von Technik, Umwelt und Gesellschaft, die Frage ist jedoch, wo bleibt die Menschlichkeit und der Umgang mit Fehlschlägen und dies eben in einer menschlichen und nicht wirtschaftlichen Weise.
Da helfen auch keine Universitätskurse zum richtigen psychologischen Umgang mit solchen Unglücken.
Auch die Medien will ich hier nicht aus der Pflicht raus nehmen, heißt doch jede positive wie auch negative Schlagzeile für sie auch Geld damit zu verdienen.

Dass dabei viele Informationen auf der Strecke bleiben ist leider Alltag und nicht nur die Ausnahme, meine Gedanken sind bei den Toten und den Hinterbliebenen dieses Wahnsinns…

Rest in Peace, unknown Victim

Written by Sivic

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