Austrian Airlines stellt die Rotation WIEN-GRAZ-WIEN mit Ende Oktober ein. Dazu und zur weiteren Entwicklung des Flughafens Graz sprach Inside Politics-Redakteur Franz Zussner im August mit Geschäftsführer Wolfgang Grimus.
Der Geschaftsführer des Flughafen Graz, Wolfgang Grimus, stand Inside Politics Rede und Antwort zu den aktuellen Entwicklungen am Standort Graz, dem Ende der Direktverbundungen zwischen Wien und Graz durch die Austrian Airlines, der Schließung des Eurowings-Hubs und der Frage ob die heimische Flugabgabe ein Hämnis für Fluglinien und Flughäfen gleichermaßen darstellt.
WIE REAGIERT DER FLUGHAFEN GRAZ AUF DAS ENDE DER AUA-FLÜGE NACH WIEN?
INSIDE POLITICS: Hat Sie die Einstellung der AUA-Flüge von und nach Wien ab Ende Oktober 2026 überrascht
Wolfgang Grimus: Eigentlich schon, denn die Einstellung der Flüge war ursprünglich erst mit der Eröffnung des Semmering Basis Tunnels geplant, also ab Dezember 2029. Dass die Wien Flüge die Kosten nicht decken ist aber schon lange bekannt. Ja, es ist schade für den Flughafen Graz und es hat mich schon traurig gestimmt.

INSIDE POLITICS: Ist dazu das letzte Wort schon gesprochen oder geht da noch was?
Wolfgang Grimus: Na ja, man kann immer noch darüber diskutieren, aber im Grunde muß man die Tatsache zur Kenntnis nehmen. Die meisten Passagiere – mehr als 95 Prozent – waren Umsteiger am Flughafen Wien und sind von dort in die weiter Welt geflogen. Es war also eine win-win Situation für uns und den Flughafen Wien. Im letzten Jahr flogen mehr als 60.000 Passagiere von Graz nach Wien, die uns nun verloren gehen. In guten Jahren waren es oftmals mehr als 120.000.
INSIDE POLITICS: Was kann man diesen Passagieren nun anbieten?
Wolfgang Grimus: Wir in Graz haben ja Gott sei Dank den Vorteil, mit allen Hubs (Umsteigeknoten) der LH-Group angebunden zu sein (München, Frankfurt, Zürich) und somit gibt es Alternativen zu Wien. Daher werden zu diesen genannten Hubs auch mehr Flüge angeboten werden. Es liegt nun an den Passagieren, diese Angebote auch zu nutzen.
KÖNNTEN ANDERE AIRLINES DIE STRECKE ÜBERNEHMEN?
INSIDE POLITICS: Gibt es Signale vom Land Steiermark und der Stadt Graz hier nochmals das Gespräch mit der AUA zu suchen
Wolfgang Grimus: Mir persönlich ist bis dato nichts bekannt, würde mich aber freuen, wenn es diese Gespräche geben sollte und sich dabei etwas Positives für unseren Flughafen ergäbe, aber zuversichtlich bin ich eigentlich nicht, denn es geht ja immer um das liebe Geld und dauernd Verluste abzudecken ist nicht der richtige Weg. Die steirische Wirtschaft und Industrie benötigt gute Flugverbindungen ab Graz in die europäischen Zentren und mit München, Frankfurt und Zürich sind sie ja vorhanden. Sie können sich vorstellen, dass laufend Gespräche mit Airlines stattfinden und da kann die eine oder andere Destination, wie z.B. Amsterdam, Rom usw. durchaus Realität werden, wenn auch nicht gleich morgen. Wünschenswert wäre für uns auch eine offizielle Haltestalle der Koralmbahn am Flughafen Graz. Eine solche gibt es zwar auf der Strecke Graz-Spielfeld-Straß, da halten aktuell aber nur S-Bahn Züge und außerdem ist dann ein Fußweg (teileweise überdacht) von rund 400m bis zum Terminal zurückzulegen, ein Umsteigen am Grazer Hauptbahnhof ist aber auch erforderlich.
INSIDE POLITICS: Gäbe es eine Möglichkeit, andere Airlines für diese Strecke zu gewinnen
Wolfgang Grimus: Eher nein. Aber wer viel Geld in die Hand nimmt und eine Airline dafür gewänne, warum nicht. Doch da braucht es noch viel mehr, Stichwort: „Interline und Code-Share“ Vereinbarungen usw. realistisch ist das alles nicht. Auch die richtige Flugzeuggröße sollte vorhanden sein; ein Airbus A320 bzw. eine Boeing B737 sind eher viel zu groß.
EUROWINGS SCHLIEẞT HUB IN GRAZ
INSIDE POLITICS: Auch Eurowings (EW) zieht sich aus Graz zurück und schließt den Hub
Wolfgang Grimus: Das ist richtig. Die Airline begründet die Entscheidung mit einer Netzwerkoptimierung und Kapazitäten dort einzusetzen, wo diese langfristig, wirtschaftlich und nachhaltig betrieben werden können. Durch den Rückzug von Ryanair aus BER sieht man bei EW große Chancen für ein starkes Wachstum am deutschen Hauptstadtflughafen. Das in Graz stationierte Flugzeug, ein Airbus A319, wird daher abgezogen, das heißt aber nicht, dass wir EW ganz verlieren, im Gegenteil, die bestehenden Strecken nach Berlin, Düsseldorf, Hamburg bleiben erhalten. Was die Urlaubsdestinationen, wie Palma/Mallorca, Teneriffa, Gran Canaria und Ägypten betrifft sind noch Verhandlungen vonnöten. Grundsätzlich bleibt aber Graz weiterhin ganzjährig an das EW Streckennetz angebunden.
WO SIEHT WOLFGANG GRIMUS WETTBEWERBSNACHTEILE FÜR GRAZ?
INSIDE POLITICS: Ganz so leicht haben es derzeit die Regionalflughäfen nicht, noch dazu hemmt die heimische Flugabgabe das Buchungsaufkommen.
Wolfgang Grimus: Stimmt. Jeder Regio-Airport kämpft für sich und schaut was er für seine Passagiere tun kann. Wir in Graz haben eine Einzugsbereich (Catchment Area) von rund drei Millionen Menschen (da gehören auch Nordslowenien, Südwestungarn, Teile Kärntens und natürlich die Steiermark dazu), so dass auch ohne Wien-Flüge ein jährliches Passagieraufkommen von rund einer Million möglich sein kann. Tagtäglich bin ich mit vielen Airline-Managern in Kontakt um eventuell die eine oder andere Fluglinie an Land zu ziehen. Die Flugabgabe hemmt tatsächlich in gewisser Weise das Passagierverhalten, wenn es nach mir ginge, würd ich sie sofort abschaffen. Wir von der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen und der Dachverband Luftfahrt der Aviation Industry Austria fordern vehement die Abschaffung dieser Flugsteuern, die uns in Bezug auf die Nachbarländer, wie Italien, Ungarn, Slowakei, Slowenien usw. wo es diese Flugverkehrssteuern nicht bzw. nicht mehr gibt, tatsächlich in einen Wettbewerbsnachteil bringt.

INSIDE POLITICS: Ist der Wirtschaftsstandort Graz ohne Flugverbindung nach Wien in Gefahr
Wolfgang Grimus: Nein, aber die Zubringerflüge nach Wien sind und waren sehr wichtig für die steirische Wirtschaft und Industrie. Aber, wie schon erwähnt, gibt es ab Graz noch drei weitere Hubs (Frankfurt, München und Zürich) die mit vielen wöchentlichen Flügen erreicht werden können. Ich betone aber, dass für exportorientierte Regionen wie die Steiermark verlässliche Flugverbindungen ein entscheidender Faktor sind. Die Verbindung Graz-Wien war für viele Unternehmen ein essentieller Bestandteil ihrer internationalen Geschäftsbeziehungen. Gehen diese verloren, kostet das Zeit und möglichweise die nächsten Aufträge.
INSIDE POLITICS: Bessere Rahmenbedingungen für Regionalflughäfen
Wolfgang Grimus: Ja, die österreichischen Regionalflughäfen brauchen spezielle Rahmenbedingungen, unter denen Airlines sowohl wichtige Zubringerstrecken als auch Point to Point Destinationen langfristig wirtschaftlich betreiben können. Diese Verbindungen zu verlieren geht schnell, sie aber wieder zurückzuholen oder neue Flugziele zu akquirieren dauert oft viele Jahre.
Bericht und Bilder: Franz Zussner
Titelbild und Bearbeitung: Claudio Schiesl
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