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Die Mäuse die brüllten!!!

„Die Maus die brüllte“ ist einer dieser subtilen und mit viel Humor gespickten cineastisch verarbeiteten Anspielungen der 50er und 60er Jahre, in der durch einen nicht geplanten Handstreich eines von Kreditsorgen geplagten Kleinstaates im Zuge einer Kommandoaktion ein außerordentlicher Coupe gelingt in dem man einen Forscher samt Superbombe gefangen nimmt, was die Supermacht USA in die Knie zwingt, so dass diese ein Wein Imitat welches dem Großherzogtum Fenwick Absatzprobleme macht vom Markt nehmen muss.

Soviel zur Fiktion nun zur Wirklichkeit. Ich kam beim Wahlkampf zu den letzten Nationalratswahlen in den Genuss mich mit den Piraten und den NEOS unterhalten zu können, dabei kamen wir natürlich auch auf gewisse Wahrheiten zu sprechen.
Unter anderem war die mediale Unterpräsenz ein Kernthema, besonders die  Piratenpartei warf den Konkurrenten vor sich die Medien mittels Anzeigen gekauft zu haben und was zuerst einmal eher als faule Ausrede einer unter bemittelten Partei gewertet werden könnte, ist doch nicht so einfach außer Acht zu lassen.

Ich kann den Unmut der Piraten durchaus verstehen, wenn man sich anschaut wer und insbesondere wo alles Werbespots geschalten hat, muss man sich auch fragen, ob dann eine entsprechende „unabhängige“ Berichterstattung überhaupt gegeben ist, wenn in der selben Zeitung, oder im TV, Anzeigen und Berichte von der selben Partei präsentiert werden .
Es hat doch einen komischen Beigeschmack, wenn z.B. die NEOS auf PULS 4 und CO., Werbung machen und am selben Abend Matthias Strolz bei „Guten Abend Österreich“, oder Hans Peter Haselsteiner in der PULS 4 Wahlarena Platz nehmen. Dies gilt natürlich für alle Parteien, aber das ist leider Teil des Geschäftes.

Matthias, sei nicht böse auf uns, bist jetzt eh im Parlament, jetzt darfst Du auch ins Fernsehen.

Um aber bei den NEOS zu bleiben. Besonders hier, fällt die „Entschuldigungskampagne“ des ORF dem politischen Beobachter ins Auge.
Ist jemand aufgefallen dass Matthias Strolz in den ersten drei Wochen nach dem Wahlabend in acht Sendungen zu Interviews geladen wurde?

Nein, hier eine kurze Auflistung. Zuerst am Wahlabend, zur ORF „Diskussion der Spitzenkandidaten“, kurz darauf beim ZIB-Magazin und dann zu Lou Lorenz-Dittelbacher ins ZIB 2 Studio, später in die Pressestunde und dann Ende Oktober zu „Stöckl“ und „Wir sind Kaiser“ am Nationalfeiertag und dem Sonntag darauf im Parlamentsmagazin „Hohes Haus“ und irgendwo dazwischen war noch ein Portrait im Report, kleinere Stellungnahmen oder Kurzbeiträge nicht eingerechnet.

Auch in der Zeit danach war Matthias Strolz sehr häufig im Fernsehen zu sehen und letzte Woche pünktlich zum Neujahr wieder einmal bei Lou Lorenz Dittelbacher, die arme Kathrin Nachbaur kommt da bei weitem nicht so oft ins Fernsehen, hat wohl mit ihrem Chef zu tun, wobei den hat man zuletzt auch nur noch selten gesehen.

Selbst verständlich wird jetzt geschmiert und gestreichelt, damit die NEOS auch brav im Stiftungsrat sind und nicht allzu viele Zugeständnisse vom ORF in Sachen Berichterstattung über Kleinparteien verlangen, denn es geht ja um die Quote und dann müsste man ja die Kleinen ernst nehmen.
Letzteres ist ja einem Hans Bürger kurz vor der Wahl mit seinen Fragen bei der Diskussion der Kleinen im ORF nicht gelungen, die sechzig Minuten waren geprägt von Klischees, lächerlichen Fragestellungen und bewussten Denunzierungsversuchen seitens eines sichtlich an der Realpolitik wenig interessierten Moderators.
Ehrlich gesagt kann man sich dafür schämen, weil wenn eine Diskussion mit der Frage „Warum heißt ihre Partei so wie sie heißt und ist ihnen nichts besseres eingefallen?“ anfängt, muss ich man sich dann noch um das hohe Niveau der Sendung Gedanken, oder gar Sorgen machen, ich glaube nicht.

Es ist doch alles nicht so schlimm, ist ja nur eine Wahl ……

… und das Recht auf Berichterstattung vor allem in den öffentlich Rechtlichen Sendeanstalten hat halt nicht jeder. Aber ja bei aller Kritik, muss man dann doch sehr froh darüber sein dass der ORF insgesamt nicht so konservativ und verknöchert daher kommt wie es seine deutschen Pendants von ARD und ZDF  tun. Die Tatsache dass die AFD und FDP als Parteien unter 5% nichts bei einer Elefantenrunde nach der Wahl verloren hatten, zeigt deutlich wie verhärtet das mediale Feld der Berichterstattung in Deutschland ist.

Dieses Beispiel zeigt auch die Divergenzen auf, die zwischen „gewünschter“ Berichterstattung und realen Stimmungsbild aufklaffen, der ORF ist nur eines der Beispiele, solange eine große Gruppe von Meinungsmachern die Fäden in der Hand hat, kann man als Journalist sich sowieso nur ein gewisses Maß an Freiheiten erlauben. Denn es geht ja nicht nur um den Erhalt des eigenen Jobs, sondern auch um das gewünschte Bild des Senders (Stilbild) in der Öffentlichkeit und nicht zuletzt um die Quote und ohne die geht gar nichts.

Aber beim EU-Parlamentswahlkampf kann sich ja der ORF beweisen?

Ob der ORF diese Chance echt nutzen wird, mag ich zwar bezweifeln, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.
Beim kommenden EU-Wahlkampf bei dem es um den Einzug ins europäische Parlament geht, wird es aber ein anderes Bild sein, über das berichtet wird.

Hier spielen jetzt einige Listen mit, auch wenn bislang noch unklar ist ob das Team Stronach antritt, oder nicht, wird es definitiv sechs Parteien geben die antreten werden, neben den bereits etablierten und fix qualifizierten Gruppen, wie der ÖVP, der SPÖ, der Liste Martin, der FPÖ, den Grünen und den REKOS (ich finde den Namen super!!!) werden wohl auch die Piraten und NEOS antreten.

Wie die Berichterstattung über den EU-Parlamentswahlkampf gestaltet sein wird, ist die nächste große Frage, da ja auch die großen Blöcke, der Konservativen und Sozialisten sich gleich schalten und eine europäische Gesamtkandidatur mit gesamteuropäischen Spitzenkandidaten planen, könnte da eine größere Kampagne auf uns zukommen.

Bei der letzten Wahl war die ja eher bescheiden, aber vielleicht wird der politische Druck auf die Redaktionen ja größer und uns den nächsten großen Wahlkampf bescheren.

Viele Köche, noch mehr Brei!

Ob die NEOS von Angelika Werthmann (ehemals Liste Martin) die Vorzugsstimme bekommen, um ohne lästiges Sammeln von Unterstützungserklärungen direkt anzutreten, ist mir nicht bekannt.
Diese Methode ist aber im „liberalen“ Lager nicht gerade neu, auch Karin Resetarits hat beim letzten Wahlkampf 2009 nach ihrer Auseinandersetzung mit Hans Peter Martin und Beitritt in die Fraktion der Liberalen im Europäischen Parlament (ALDE) den Jungen Liberalen Studenten (JULIS) mit ihrer Unterschrift geholfen und ihnen somit die direkte Kandidatur ermöglicht.

Aber dass die NEOS antreten, ist als fix anzusehen, bei den Piraten würde es mich auch wundern, wenn diese nicht antreten würden, der Generalplan aus dem Jahre 2010 sah eine große Blockkandidatur in allen Mitgliedsstaaten vor, die beiden Abgeordneten aus Schweden machen dies möglich, somit wäre ein Europäischer Wahlkampf als große Gruppe möglich, auf so einer Welle muss man erst einmal reiten können, die Piraten hätten das Potential dazu, ob sie das Geschick dazu haben europaweit auf den Putz zu hauen und sich als europäische Partei zu präsentieren ist eine andere Frage.

Von Philip Pacanda (Grazer Gemeinderat) weiß ich dass dies aber endgültig bei der BGV Ende Jänner beschlossen wird.

Wie der ORF dann sein „Du bist nicht im Parlament Ausschlussverfahren“ in der Berichterstattung gegenüber den österreichischen Ablegern dieser Fraktionen im EU-Parlament durchsetzen und argumentieren wird, mag nicht jeden interessieren, wird aber wohl zeigen wie gut es um unsere Demokratie und Meinungsfreiheit steht.

Zum Schluss noch einen Schuss Schwarz-Gelbes Liebesgeplänkel:

Und ja es wäre nicht mein Blog, wenn ich euch die Schwarz-Gelbe-Allianz, also die Monarchisten Österreichs unterschlagen würde, deren Kandidatur ist alles andere als gesichert, aber vielleicht findet sich unter den mehr als 700 Abgeordneten ein überzeugter Monarchist, ist ja in Europa eine Seltenheit, gibt ja außer Liechtenstein, welches nicht in der EU ist, keine Monarchien mehr.

Ups, falsche Propagandaseite, da haben die Sozialisten mal wieder reingeschrieben, aber ob ein spanischer, britischer, schwedischer, belgischer, niederländischer, oder luxemburgischer Abgeordneter den österreichischen Monarchisten seine Vorzugsstimme gibt, ist nicht wirklich sicher.

Übrigens ein nicht uninteressantes Nebengefecht, die SGA bekennt sich zur Monarchie, die REKOS machen jetzt noch ein Staatsgeheimnis daraus, auch wenn diese sich eher breit aufstellen, ist es doch interessant, das Ewald Stadlers „letztes“ Aufgebot sich mit schwarz-gelben Parteifarben ziert.

Was ich im letzten Artikel ausgelassen habe. ist nämlich die zum Faktum gewordene politische Trennung zwischen liberalen und konservativen Lager der monarchistischen Bewegung, während sich die SGA zwar nach wie vor zum abendländischen Erbe Europas bekennt, machen die REKOS dies noch einmal deutlicher und geben viel mehr christliche Werte als ihre Hauptlinie vor, als es z.B. die ÖVP tut und die SGA tat oder je tun wird.

Mit den REKOS ist eine politische Emanzipation des monarchistisch-konservativen Lagers eingetreten, die Blockadepolitik der letzten Jahre, die gegen die SGA gefahren wurde, hat nun eine Plattform mit den REKOS bekommen.
Ob dieses Gefecht überhaupt ausgetragen wird, sei dahingestellt, aber es werden weder für die SGA, noch die REKOS Telefonlisten, oder kleinere Netzwerke und Propagandablätter helfen, wenn es um die mediale Breitenwirkung geht die man braucht um den Wähler zu erreichen.

Summa summarum, es bleibt spannend, wobei letzteres sag ich auch nur noch um mich selbst zu motivieren überhaupt noch etwas zu schreiben.

So long, Sivic!

Written by Sivic

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259, Wirtschaft trifft Forschung – Von der Austromir zum Startup (Teil 1)

Mhm, noch eine Wahlplattform ????