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Bundesheer – Steirische Verbände zeigen ihr Können in Graz – 462

Das Bundesheer will sich als moderner und guter Arbeitgeber präsentieren, das bedeutet aber auch, dass sich die Streitkräfte modernsieren müssen.

Das Bundesheer präsentierte sich am Donnerstag (01.06.2023) von seiner besten Seite. Die steirischen Verbände der Streitkräfte stellten am Gelände der Grazer Belgierkaserne bei einer Leistungsschau ihre Ausrüstung und ihr Können zur Schau. Schüler und die interessierte Öffentlichkeit konnten sich an diesem „Tag der offenen Tür“ über ihr Bundesheer und seine Aufgaben erkundigen.

LEISTUNGSSCHAU IN ZEITEN DES UMBRUCHS

Am 1. Juni fand in der Grazer Belgier-Kaserne der “Tag der Steirischen Verbände und Dienststellen” statt. Das Militärkommando Steiermark präsentierte an diesem “Tag der offenen Tür” die unter seiner Führung stehenden Verbände. Darunter waren u.a. die Hubschrauber-Staffel in Aigen im Ennstal, das Überwachungsgeschwader und Fliegerabwehrbataillon 2 in Zeltweg, Militärpolizei und Ambulanz, das Aufklärungs und Artilleriebataillon 7 in Feldbach, das Jägerbataillon 17 in Straß, das Versorgungsregiment 1 in Gratkorn sowie die Militärmusik Steiermark.

Ziel der Veranstaltung war es den Bürgerinnen und Bürgern das Bundesheer und seinen Hauptzweck, die militärische Landesverteidigung, näher zu bringen und die österreichischen Streitkräfte als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren. Gleichzeitig wollte man auch mit der Ausrüstung glänzen und künftigen Soldatinnen und Soldaten zeigen, dass die Streitkräfte auch in Krisen- und Kriegszeiten, ein verlässlicher Partner sind.

Dingo-Bundesheer-M109-Paladin-Panzerhaubitze-Belgier-Kaserne-Graz
Bild: Das Aufklärungs- und Artilleriebatallion 7 in Feldbach gehört zu den letzten beiden Einheiten des Bundesheeres mit schwerer Artillerie. Im Bild ist eine M109A5Ö in Feuerstellung zu sehen.

Die Leistungsschau, die sowohl für Schulen als auch für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich war, bot dabei eine Vielzahl von Vorführungen und vermittelte wissenswerte Inhalte zu den verschiedenen Aufgabenbereichen und Ausrüstungsgegenständen des Bundesheeres. So konnte man auf den verschiedenen Stationen eine mobile Radaranlage zur Luftüberwachung sowie der Zielerfassung und -Führung Luftabwehrsysteme (Mistral und Oerlikon) genauso betrachten wie die M109A5Ö Panzerhaubitze, den Schützenpanzer Pandur oder die Allschutzfahrzeuge Dingo und Husar.

MAN-Bundesheer
Bild: Auch Logistik- und Pioniergerät kamen zum Einsatz, hier hebt ein Kran ein Modul auf die  Ladefläche.

Zudem gab es auch Darbietungen der einzelnen Gruppen. Wobei vom Verladen von Logistikmodulen, über eine Platzrunde einer Alouette III bis zum Einsatz eines Diensthundes der Militärpolizei und Sicherung eines „Gegners“ eine Vielzahl von Präsentationen zu sehen waren. Darüber hinaus konnten sich Besucherinnen und Besucher auch Einsatzzweck und Wirkungskraft der einzelnen Waffensysteme, Gerätschaften und Fahrzeuge erklären lassen. Um den Charakter eines lockeren Informationstages mit “Volksfeststimmung” zu untermalen, spielte auch die Kapelle der Militärmusik Steiermark immer wieder auf und die Feldküche zeigte ihre Fähigkeiten auf kulinarischen Niveau.

NACHRÜSTBEDARF BEIM BUNDESHEER LÄSST SICH NICHT MEHR LEUGNEN

Dabei darf trotz der grundsätzlich guten Stimmung bei der Truppe und des herrlichen Wetters nicht übersehen werden, dass die operativen Fähigkeiten des Bundesheeres in den letzten Jahrzehnten stark zurückgefahren wurden. Der durch den Sparkurs, die Abrüstung und den politischen Unwillen in die Landesverteidigung zu investieren, entstandene Nachrüstbedarf zeigte sich auch bei dieser Leistungsschau.

Bundesheer-Alouette 3
Bild. Diese Alouette III vom Fliegerhorst Fiala Fernbrugg im Aigen im Ennstal, fliegt heuer ihre letzten Runden, die Maschinen dieses Typs sollen Ende 2023 ausgemustert werden.

So war einer der ausgestellten Pinzgauer Geländewagen laut Aussage eines Soldaten bereits 50 Jahre alt, auch die Alouette III die am Ende der Schau eine Ehrenrunde über den Exerzierplatz drehte, stammt aus den frühen 1970ern und steht mit Jahresende 2023 vor der Ablösung durch die AW169 (wir berichteten).

Bild: Während die Zugmaschine bereits zum modernen Equipment des Bundesheers gehört, ist die Zwillingsfliegerabwehrkanone 85 von Oerlikon bereits jahrzehntelang im Einsatz.

Die präsentierten Luftabwehrraketen vom Typ Mistral M2 wurden zur Jahrtausendwende beschafft und eine stolz gegen Himmel gerichtete Zwillingsfliegerabwehrkanone 85 (Oerlikon GDF 35mm) weißt mit der „85“ bereits auf ihre Einführung in den 1980er Jahren hin.

VOM „OLDTIMER-KLUB“ ZUM ZEITGEMÄßEN HEER

Für die Mistral ist aber ein Wechsel auf die von MBDA France seit 2019 angebotene Version M3 vorgesehen. Die Oerlikon soll ebenfalls kampfwertgesteigert werden und darüber hinaus ist vorgesehen ein neues Waffensystem eine Luftabwehrrakete mittlerer Reichweite (40-50km) anzuschaffen. Gerüchten zufolge ist die unter deutscher Führung entwickelte Iris-T mit einer Reichweite von 40km im Gespräch. Diese Waffe könnte sowohl für die Luftabwehr als auch für die Abfangjäger Eurofighter Typhoon beschafft werden.

Mistral-Bundesheer-Pinzgauer
Bild: Mistral M2 auf Pinzgauer auf der Airpower 2019. Diese Kombination soll künftig durch ein leistungsstärkeres und beweglicheres System ersetzt werden.

Gleichzeitig braucht das Fliegerabwehrbataillon 2 aber auch ein neues Gefährt, da die Pinzgauer eben bald ausgedient haben und aufgrund ihrer Bauart auch nur bedingt als Startplattform für die Mistral-Raketen tauglich waren. Außerdem brauchen auch Panzertruppe und Panzergrenadiere eine begleitende Luftabwehr. Die auf den Flugschauen Airpower 2019 und Airpower 2022 gezeigten „Pandur Evolution“-Versionen mit Mistral-Raketenwerfer und Giraffe-Radar waren bisher nur Prototypen von GDELS-Steyr in Wien. Dem Heer fehlt es im Moment an einer beweglichen Plattform die beispielsweise einen Panzerverband gegen Flugzeuge, Hubschrauber oder Drohnen schützen und diese Luftziele erfassen und effektiv bekämpfen kann

Bild: Die altgediente M109A5 Ö (Paladin) ist das Rückgrat der österreichischen Artillerie.

Weiters ist geplant die Panzerhaubitze M109A5Ö aufzurüsten. Hierbei soll insbesondere Präzessionsmunition angekauft werden. Zudem sind sechs M109A5Ö im letzten Jahr von Lettland an die Ukraine übergeben worden, wo diese bereits im Gefecht zum Einsatz kamen. Laut Informationen von Inside Politics hat der österreichische Generalstab jedoch keine Kenntnisse über Verbleib, Wirkungskraft im Einsatz oder die gemachten Erfahrungen mit der M109. Auf Twitter findet man jedoch ein Video von einer zerstörten Panzerhaubitze, bei der es sich mutmaßlich um ehemaliges österreichisches Gerät handeln soll.

FAZIT:

Unabhängig von diesen Ereignissen gehen die „Mission Vorwärts“ und die im Aufbauplan „Bundesheer 2032“ vorgesehenen Beschaffungen weiter voran, womit das Bundesheer sein Image als „Oldtimer-Klub“ und als politisch zweckentfremdeter „Katastrophenschutz in Grün“ nun endgültig ad acta legen will. Trotz Wehrpflicht fehlt es jedoch an Soldatinnen und Soldaten die den Karriereweg des Berufssoldaten einschlagen wollen, denn das neue Gerät will auch bedient und benützt werden. Ist das nötige Personal nicht vorhanden hilft auch die beste Ausrüstung nichts, ließ ein ehemaliger Soldat Inside Politics wissen.

Es bleibt also abzuwarten was sich ändert und ob sich das Bundesheer als attraktiver Arbeitgeber, im Kampf um Fachkräfte, am heimischen Arbeitsmarkt durchsetzen kann.

BIS BALD,
EUER SIVIC

INSIDE POLITICS – MEHR ALS TAGESPOLITIK…

Written by Sivic

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