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283, Retro sells – More than ever!

Hallo zu Sivicsblog und dem Blogeintrag Nr. 283!

Retro ist inn, schon vor zwei Jahren beschäftigte ich im Beitrag „Einen Spritzer Retro gefällig?“, mit diesem Thema, nun ist es Zeit für ein Update.

Der letzte Beitrag zu diesem Thema ist wie gesagt aus dem Jahr 2014 und beschäftigte sich fast ausschließlich nur mit den 60er Jahren, diesmal geht es auch um Fernsehserien die in den 40er Jahren spielen.
Wer sich etwas mehr mit aktuellen Serien beschäftigen will, der sei auch auf die Ironblogger Kollegen Henriette Zirl und Roman Vilgut (danke für die Erwähnung letztens) verwiesen, die sich immer wieder einmal zu TV-Serien äußern.

RETRO, RETRO, RETRO SELLS!

Retro ist ja aktuell sehr inn, wobei sich der Begriff selbst ja auf etwas bezieht was schon einmal da war, dabei ist es unerheblich auf welche Ära er verweist, auch ob es sich um den legendären Piper Eislutscher oder Minis Cooper handelt, was früher schon „modern“ war, muss sich doch heute auch gut verkaufen.

Star Trek Beyond meets Motion Picture
Bild: Auch Star Trek ist am Retro-Trip, links 2016, rechts 1979. (Quelle: Paramount Pictures)

Wenn ich also schon dabei bin, dann fange ich gleich einmal mit einem aktuellen Thema an, denn die Blockbuster „Independence Day Resurgence„, „Star Trek Beyond“ und die Star Wars StoryRogue One“ setzen sehr auf Retro und historische Verweise, die ja maßgeblich den Charme der drei Franchises ausmachen.
Das ist auch das Markenzeichen der Werbemaschinere die dahinter steckt, Plakate, wie auch Trailer und Websites sind sehr retrofiziert und zeigen schöne Anspielungen an das was man kennt und als Stärke der Marken identifiziert.
Bei Star Wars ist das der Todesstern, bei Star Trek die Enterprise und bei Independence Day, die gigantomanische Größe der Vehikel, wie auch die wiedererkennbaren Charaktere.


Video: Rihanna singt Sledgehammer zu Star Trek Beyond.

Dazu kommen gerne einmal frische Rythmen von Rihanna (Star Trek) oder neu interpretierte Fassungen klassischer Filmmelodien (Star Wars, IDR), zusammen mit den Specialeffects wird daraus ein Actionabenteuer welches uns nicht nur packen, sondern auch die 15 Euro für ein Kinoticket aus der Tasche ziehen soll, damit die Investition von 150-200 Millionen Dollar auch wieder in den Kassen der Studios landet.

Übrigens Musikvideos zu Filmen, sind auch ein Teil von methodischem Retro, in den 90er Jahren gehörten solche zum guten Ton großer Produktionen, eine Film-Serie die dieser Tradition durchgehend treu blieb ist übrigens „Men in Black„.
Auch  „The Men from Uncle“ setzte letztes Jahr auf Retro-Werbung und brachte einen 5 Minuten (!) Trailer im Vorfeld zum Film raus, so lange Vorschauen waren in den 60er Jahren üblich, heute gibt es kaum noch Trailer die länger als zwei bis dreieinhalb Minuten dauern.

Gut genug zu Marketing-Strategien, jetzt geht es ab in die 40er Jahre, wo wir unsere Retro-Reise beginnen.

Manhattan:

Eines der bekanntesten und zugleich in vielen Punkten mysteriös gebliebenen Geheimprojekte unserer jüngeren Geschichte, ist das Manhattan-Programm, also die Entwicklung der Atombombe im 2. Weltkrieg durch die Vereinigten Staaten von Amerika.
Grund genug für Filme- und Serien-Macher diesen Stoff auf Zelluloid / Festplatten zu packen und daraus eine Drama-Serie zu machen.

Video: How I build a atomic-bomb? They will tell you.

Die Serie zeigt verschiedene Charaktere und historische Figuren dabei, wie sie die Umsetzung des Manhattan-Programms realisieren und bringt dabei Themen wie die ständige Kontrolle durch Sicherheitsdienste, Misstrauen, Geheimniskrämerei und den Pioniergeist auf.
Im Gegensatz zur Realität wurde Manhattan nach der zweiten Staffel eingestellt, wer es sich trotzdem ansehen will, bekommt 23 Folgen geliefert.

AGENT CARTER:

Wer Marvels „Agents of Shield“ und „Captain America“ kennt, der kommt an dem Charakter Agent Carter nicht vorbei. Nach den Erfolgen die Marvel mit seinen Avengers erreichte, hatte man 2015 mit „Agent Carter“ einen weiteren Shield-Ableger auf den Mattscheibe gebracht.

Die Handlung folgt der namensgebenden Agent „Peggy“ Carter, einer Offizierin aus dem 2. Weltkrieg und Gspusi von Captain America, die in den Zeiten des beginnenden „Kalten-Krieges“ für die SSR (Strategic Scientific Reserve) arbeitet und dabei mit Kriegs-Veteranen wie Howard Stark (Ironman’s Vater), dessen Butler und anderen Agenten auf Schurkenjagd geht.


Video: Wenn Howard Stark und Peggy Carter etwas aushecken, dann ist das Stoff für eine ganze Serie.

Dabei wechselt die Serie sogar die Schauplätze, spielt sich die erste Staffel größtenteils in New-York ab, wird Carter am Beginn von Staffel Zwei nach Los-Angeles versetzt.
Leider dauert der Ausflug in die 1940er Jahre nur zwei Staffeln an, kurz vor dem Start von „Captain America – Civil-War“ wurde bekannt, dass Agent Carters Abenteuer nicht fortgesetzt werden.
Interessantes Detail am Rande, der Charakter der Peggy Carter wird in Civil-War beigesetzt. Sie starb eines natürlichen Todes!

The Man in the High Castle:

Von den späten 40er Jahren machen wir einen Sprung in das Jahr 1962, wo wir uns das „Dritte Reich in Amerika“ genauer ansehen.

Wie, was, „Drittes Reich“?

Amazon ist schon immer eigene Wege gegangen, da verwundert es nicht, dass die Amazon Studios dieser Philosophie treu bleiben und Philip K. Dick’s Buch „The Man in the High Castle“ verfilmen, das ein Spiegelbild unserer Realität zeichnet, in dem die USA nach dem 2. Weltkrieg von Deutschland und Japan besetzt und „aufgeteilt“ werden.

Die Story spielt in den frühen 60er Jahren und begleitet Akteure aller Seiten (amerikanischer Widerstand, Deutsche SS, japanische Geheimpolizei (Kempeitai) usw.), hierbei geht es zu Anfang um ein Pärchen dass durch Zufall an einen „Newsreel“ (Wochenschau-Film) kommt, der eine andere Welt zeigt, also eine Welt in der die Achsenmächte geschlagen wurden und der Alptraum einer autoritären Besatzung der USA durch die Alliierten verhindert wurde.

Video: Was wäre wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten?

Wie sich herausstellt, werden diese Filme von jemanden mit dem Namen „The Man in the High Castle“ über verschlungene Wege auf die Reise geschickt, die Kuriere die diese Filmrollen verteilen, werden von deutschen, wie auch  japanischen Sicherheitskräften gnadenlos verfolgt, verhaftet, gefoltert und exekutiert.

Die Serie bemüht sich hier im hohen Maße die verschiedensten gesellschaftlichen Ebenen und die Totalität darzustellen mit der die einzelnen Regime wirken.

Der Fokus wechselt dabei immer wieder, da sind japanische Minister, Polizisten, deutsche Spione / Doppelagenten oder ein schwarzer Barbesitzer in der Neutralen Zone zwischen den Machtblöcken (Deutschland, Japan) genauso zu sehen, wie ein New-Yorker SS-Offizier, der überzeugt von seinen Idealen, sich den Grenzen der Ideologie stellen muss, der er dient, denn sein Sohn zeigt erste Anzeichen eines genetischen Defekts und müsste nach den Regeln der „Rassenlehre“ getötet werden.

Die Handlung ist gespickt mit moralischen Trittfallen und einer Reihe von  Herausforderungen, denen sich ausnahmslos jeder Charakter stellen muss.

Die vielen Anspielungen an die Lebensrealität der 40er, 50er und 60er Jahre ist nicht nur für Hobby-Historiker von Interesse.
Ironie der Geschichte ist auch die Nutzung des „The Sound of Music“ Klassikers Edelweiß als Titelmelodie.
Für Fans von Verschwörungs- und Thrillerplots ala Game of Thrones und House of Cards, eine absolute Empfehlung.

Wer übrigens die Überlegungen Dick’s in der Realität erleben will, dem empfehle ich nach Italien in die nach dem 1. Weltkrieg besetzten Gebiete Österreichs zu fahren, denn diese Parallelwelt ist bis zum heutigen Tag echt geblieben.

BEL AMI 2000:

„Ein harscher Schnitt“, ich weiß, aber wenn ich schon über Retro rede, dann sollte ich mich natürlich auch mit einer Produktion aus den 60er Jahren beschäftigen.
Ein Film der sprichwörtlich für das Tempo jener Zeit steht, ist BEL AMI 2000,  eine schrille, farbenfrohe und hippe Komödie zum Nachdenken, die, ganz untypisch für die Peter Alexander Filme, ein gesellschaftskritischer Beitrag ist, der im Sinne der sich wandelnden Zeit, den Aufstieg eines einfachen Buchhalters zum Sex-Idol per Zufallsgenerator skizziert und Sendungen ala Big-Brother vorweg nahm.


Video: Bel Ami 2000, Peter Alexander als inszenierter Playboy.

In einer nicht näher genannten Zeit wird alljährlich vom Bel Ami-Magazin (Anspielung auf den Playboy) ein neues Sex-Idol via Computerberechnung festgestellt. Zum Zug kommt, der einfache Buchhalter Peter Knolle, der gleich einmal gefeuert wird, nach dem einer seiner Vorgesetzten feststellt, dass er sich fingierte Zahlen vom Asiengeschäft seiner Firma genauer angesehen hat.

Der nun gefeuerte und gleichzeitige gefeierte Bel Ami 2000, wird von einem Pressetermin zum anderen gereicht und obwohl die Verleger von Bel Ami- und Bettina-Magazin in ihm weniger ein Sex-Symbol sehen, wird er ob der bereits anlaufenden Publicity-Kampagne von einer Karrierestation zur anderen gereicht.

Der Film ist eine gelungene Parodie auf die sich verändernde Gesellschaft, das Tempo dass durch die technische Revolution entstand und die Frage: Ob wir all den Medien-Krawall die Inszenierung und die öffentliche Rezeption unseres Lebens brauchen?
Wie Help! von den Beatles gehört auch Bel-Ami zum fast vergessenen Genre der Musikfilme und ist auch ähnlich harsch geschnitten, wer Unaufmerksam ist, kann schnell etwas verpassen.

Bel Ami 2000 bricht dabei, mit den damals geltenden konservativen Gesellschaftsbildern und spricht Homosexualität genauso an, wie die Reduktion von Beziehungen auf ein reines Sexleben und die Inszenierung.
In Zeiten der neuen Prüde, ist dieser Film jedenfalls erfrischend anders.

STAR TREK CONTINUES und
STAR TREK PHASE 2:

Wenn ich schon mit Star Trek anfange, dann sollte ich auch damit enden.
Die Fan Serien Star Trek Continues und Star Trek Phase 2 versuchen mittlerweile seit vielen Jahren den Geist der Originalserie aus den 60er Jahren zu erfassen und erzählen im Schnitt 1-2 mal pro Jahr neue Geschichten rund um die Geschehnisse der Crew des legendären Raumschiff Enterprise.

Video: „Come not between the Dragons“- der Titel ist Programm.

Wie lange diese beiden herausragenden Projekte, das aber noch tun dürfen bleibt offent, denn Paramount/CBS ging im letzten Dezember gegen das Fan-Projekt Star Trek Axanar (ein mit 1,2 Millionen Dollar durch Crowdfunding finanziertes Fanprojekt) vor Gericht.
Daher gibt es seit dem 23, Juni erstmals Guidelines für Fan-Filme, die die couragierten Projekte Phase 2 und Continues genauso betreffen.

Denn Paramount und CBS (Lizenzinhaber), erlauben Fans nur noch 15 minütige Fanfilme (30 min. bei einem Zweiteiler) und keine „Serien“ zu produzieren und geben weitere sehr harsche Bedingungen (Kostüme, Ausrüstung, Story, Finanzierung, kein Star Trek im Namen, usw.) vor, so dürfen an offiziellen Star Trek Produktionen beteiligte (angestellte) Personen (Schauspieler, Designer, etc.), künftig nicht mehr bei Fan-Filmen mitwirken.

Video: „The Holliest Thing“ – oder wenn sich Kirk wieder einmal verliebt.

Kurioserweise waren bei den neueren Star Trek Filmen auch die Fans James Cawley (ST Phase II) und James Doohan (Scotty in TOS) Sohn Christopher Doohan (ST Continues) als „Extras“ beteiligt.
Wie sich diese Regeln nun auswirken und ob bereits veröffentlichte Fanfilmproduktionen offline gehen müssen, werden wir erst sehen, daher jetzt anschauen und genießen.Ich werde demnächst mit CGI-Artist Tobias Richter (The Light Works) darüber reden, denn dieser war sowohl an Fan-Filmen wie auch an der Star Trek Next Generation Blue-ray beteiligt und kennt daher beide Seiten des Delta-Schilds.

So, das war es, ich geh wieder ausschwitzen:

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Written by Sivic

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