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200, AEIOU, Allen Ernstes ist Österreich unersetzlich!

Herzlich Willkommen zum 200. Beitrag!

Diese Jubiläumsausgabe sollte sich ja durchaus Zeit nehmen um einige Dinge Revue passieren zu lassen.

Ganz so werde ich es nicht machen, die Menge an Material die derzeit zu verarbeiten ist, würde wohl für 10 Ausgaben reichen, ohne dass ich noch nach neuen Geschichten Ausschau halten müsste.

Einige neue „HOTSHOTS“ und ON THE GRID Folgen sind schon draußen, Folge 16 von INSIDE POLITICS ist gerade in den treuen und fähigen Händen von Philipp Peyer (Maturaball TV) und ich arbeite in der Zwischenzeit auch einen sehr großen Überhang von Videos ab, die in den nächsten Tagen und Wochen rauskommen werden.

In diesem Sinne:

Thanks to all of you, and enjoy the next 200 blogs!

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Nun zum heutigen Thema 70 Jahre und drei Tage zweite Republik.

Vor drei Tagen sagte mir ein konservativer Freund:

„Claudio Du stehst ja selbst nicht voll hinter den NEOS und wenn Du das Gegenteil sagst dann lügst Du, weil Du bist in deinem Herzen Sozialist!“

Und vor knapp zwei Wochen meinte Sozialdemokrat in meiner Gegenwart:

„Du bist ein liberaler Monarchist. Liberalismus und Monarchismus sind miteinander kompatibel, die Sozialdemokratie hat die Monarchie immer bekämpft!“

Ich sage immer: „Den Linken bin ich zu konservativ, den Konservativen zu links, ich muss Liberal sein!“ 

Anscheinend bin ich aber den Liberalen zu schräg und den Grünen wiederum zu altmodisch, also ja ich glaube ich bin nun einmal ICH!

Manche halten mich vielleicht für einen Lügner, wieder andere verstehen es nicht ganz, oder besser gesagt tun sich schwer es nachzuvollziehen, oder einfach gesagt, ich stehe für so viele Dinge dass die Leute immer nur eine Seite von mir sehen, oder sehen wollen.

Eines kann ich aber definitiv sagen und ohne zögern unterstreichen:
 
Ich bin Österreicher mit irritierenden Selbstbewusstsein, oder besser gesagt einer der die Seele dieses Landes inhaliert und in seine eigene verwirrende Gedankenstruktur integriert hat.

Der Titel des heutigen Beitrages, rührt von einem Spruch her, der auf dem Gedenkstein unter dem in die Sandsteinmauer des Stephansdoms rechts beim Haupttor eingeritzten Symbols O5 eingraviert wurde.

O5 war eines der Zeichen welches österreichische Widerstandsgruppen im Dritten Reich nutzten um auf sich aufmerksam zu machen und somit den Leuten damit zu verstehen gaben „Habt Hoffnung“.

O5 = OE = Ö = Österreich

Wäre ich nicht in Österreich würde ich ja das Trara nicht verstehen.
Zuerst einmal feiert die ÖVP ihren 70stgen Geburtstag, dann die SPÖ den 70. Jahrestag der Neugründung oder den Reaktivierungskommers – wie man ein solches Ereignis bei Studentenverbindungen nennen würde – und dann erst, ja dann erst feiert der Staat, wobei feiert der wirklich?

Der Staat schon, die Bevölkerung pikanterweise nicht, so ähnlich war es ja im Krieg auch schon der Fall nur umgekehrt, der Staat war nicht am 2. Weltkrieg beteiligt, die Bevölkerung schon und die zuständigen Parteien wollen nichts davon wissen, weil Sie hatten ja nichts zu sagen (uh mein Artikel am 1. Mai wird diesbezüglich lustig).

Kurzer Stopp, Assoziierungskette die bis Heute gilt:

Partei = Staat/Republik = Demokratie

Sprich gebe es die Parteien nicht, dann gebe es auch keinen Staat und damit auch keine Demokratie. Wäre es also auch richtig zu sagen, dass Österreich ein Parteienstaat mit angebundener Parteiendemokratie ist?

Ich würde mal sagen: „JA!“

Weiter im Text, Österreich ist ja durchaus Weltmeister im Vergessen und gleichzeitigen aufbewahren der Asche.

Wobei die Österreicher die im Widerstand und in den alliierten Truppenverbänden organisiert waren und oder dienten, werden mittlerweile gerne „vergessen“ um den Täterkult zu unterstreichen, aber die „Vergessenskultur“ ist ja was ganz typisch österreichisches.

Und der Täterkult kommt den politischen Führungsparteien durchaus recht, weil diese damit eben durchaus sagen: „Ohne uns wärt ihr alles Nazis!“

Deswegen wird auch immer wieder auf die Opfer und die Nicht-Opfer Rolle des Landes hingewiesen, was man außerdem nicht vergessen darf, der Staat den keiner wollte war spätestens nach dem 27. April 1945 alternativlos geworden, dies sahen die Leute in den besetzten Gebieten übrigens genauso, trotzdem durften sie bei Italien bleiben.

Zumindestens in der historischen Nachbetrachtung, wird das so gesehen, ich sehe das ein bisserl anders, muss aber sagen, Österreich ist meine Heimat und wenn ich den Landesnamen heute so oft anspreche, dann ist dies ein offenes Liebesbekenntnis zu diesem Land.

Oder wie heißts so schön:  
„Der Schiesl ist net Single, der ist mit Österreich verheiratet!

Ich glaube das kann man ruhig so sagen und während man immer mehr an der Frage der EU Zugehörigkeit und staatlichen Unabhängigkeit zweifelt, zeigt sich dass der ideelle wie auch wohl romantisch verklärte österreichische Gedanke, der eine Sehnsucht nach Ausgleich, Völkerverständigung, Frieden und Austausch auf gleicher Augenhöhe vorsieht, nach wie vor verlangt wird.

Der Unterschied zur EU war, das Österreich-Ungarn trotz aller Ungerechtigkeiten ein Land war in denen die „Kleinen“ gemeinsam auf gleichen Niveau miteinander reden konnten und trotzdem nach Außen hin eine Großmacht darstellten.

Das tut die EU nicht, weder gemeinsame Armee, ein Hymnentext der in alle Sprachen übersetzt ist, noch die angeblich im Gleichschritt marschierende Außenpolitik ist vorhanden.

Aber die Boote von Schleppern will man nun mit einem gemeinsamen Militäreinsatz zerstören!
Die Frage ist ob man nicht vielleicht lieber einmal sich den Problemen stellen möchte, nämlich warum die Leute aus Schwarzafrika nach Europa flüchten?

Der technokratische Koloss und seine Regulierungen fällt nun viel mehr den Politikern der heutigen Generation auf den Schädel.
Hat übrigens auch einen Vorteil,unsere Volksvertreter  sind jetzt massiv in ihren Handlungen eingeschränkt, was uns wiederum zu Gute kommt, weil die Politiker weniger Alleingänge machen können. 

Deswegen ist für mich Österreich allen Ernstes nicht nur unersetzlich sondern „Allen Ernstes ist Österreich unabhängig!“ und dabei bleibt es.

Zum Abschluss noch eine Geschichte in eigener Sache:

Ich kann weder Nepal, noch die Flüchtlingsthematik ausklammern, werde jetzt aber nicht weiter darauf eingehen, sondern möchte erklären wie das Leben bei uns und auch im Libanon noch vor ein paar Jahrzehnten ausgesehen hat, die Schlagzeilen waren sehr ähnlich, das Leid war echt.

Während die Republik ihre zweite Reinkarnation feiert, hatte mein Vater heuer seinen 77. Geburtstag und gedenkt demnächst dem 70. Jahrestages seiner Rückreise nach Wien.
Denn meine Familie war landverschickt worden, sprich lebte ab Mitte des Krieges in Oberösterreich, im Mai 1945 kehrte man mit einem sowjetischen Konvoi nach Wien zurück.
Die Donau führte damals gerade Hochwasser und man fuhr in einem LKW Zug (mehrere Fahrzeuge sind dabei aneinander gebunden) über eine seichte Stelle des Flusses, der Wasserdruck war so stark dass der LKW auf dem mein Vater als kleiner Bub saß um ein Haar vom Strom erfasst wurde, das Wasser war bereits über der Motorhaube.

Meine Großmütter und mein Vater erzählten mir immer wieder von diesen Ereignissen, da beide in unterschiedlichen Fahrzeugen saßen, war auch die Perspektive in der das erlebte beschrieben wurde entsprechend verschieden.
Ja die Geburtsstunde dieser Republik und die ersten harten Erlebnisse meiner Familie, wurden mir schon früh eingetrichtert.

In meiner Kindheit habe ich noch etliche Häuser in Wien mit ihren „schwarzen“ vom Ruß belegten Fassaden gesehen, in denen Einschusslöcher zu sehen waren und nein damit ist nicht die sozialistische Pilgerstätte Karl Marx Hof gemeint.

Ich habe am Spittelberg im siebenden Bezirk gelebt, da habe ich auch Einschüsse auf Häuserwänden gesehen, die waren aber laut Aussage meines Vaters deutschen Ursprungs, weil der Nachbar in der Schlacht von Wien den Deutschen Soldaten „Endlich schleichts eich!“ nach gerufen haben soll, als ein Zug (Einheit) aus der benachbarten Stiftskaserne zum Häuserkampf ausrückte. 

Auch in den Nebengassen zum Naschmarkt fand man noch viele Häuser mit Kriegsnarben (Schäden will ich bewusst nicht sagen).

Zur Erklärung auch wenn ich erst 30 bin, ich gehöre sowohl väterlicher wie auch mütterlicherseits zur ersten Generation die keinen Krieg erlebt hat, meine Mutter war zwischen 1976 und 77 in Beirut während des Bürgerkrieges.

Für Sie gehörte es genauso zur Normalität das Leute mit der AK47 unter dem Kopfkissen schlafen, wie für meinen Vater in ausgebrannten Panzerwracks zu spielen, oder nach Tieffliegern Ausschau zu halten, wenn er zur Schule ging.

Also ja, ich habe zwar selbst keinen Krieg erlebt, gehöre aber zu einer Nachkriegsgeneration die es in dieser speziellen Konstellation in Österreich wohl nicht oft gibt.

Damit ist definitiv eines bewiesen, in der europäischen Union zu dieser Zeit und in Österreich speziell geboren zu sein, ist ein Lotto Sechser.
Aber sowohl in der EU als auch in Europa selbst, macht es auch jetzt noch einen entscheidenden Unterschied wo man lebt und welcher Volksgruppe man angehört, denn die Rechtslage ist nach wie vor sehr unterschiedlich.

In diesem Sinne, ich bleibe kritisch:

Euer Sivic!

Written by Sivic

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