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166, Demokratie ist stonk „??“

Die wichtigste Nachricht vorweg, der Trailer zur 7. Episode von A long time ago in a galaxy far, far away“ wird Morgen auf I-Tunes veröffentlicht.

Und nun zur 166. Ausgabe von Sivics Blog…
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„Democracy is stonk“, sagte einst Charly Chaplin in seinem Film „The Great Dictator„, herzlich Willkommen zur 166. Ausgabe meines Blogs.

Heute ist zwar der Spruch „Democracy sucks“ populärer und das Prinzip der „gelenkten Demokratie“ ein äußerst beliebtes Konzept damit herrschende Politikerklassen in nicht wenigen Ländern ihre Politik und Existenzberechtigung durchsetzen können, aber gut das ist diesmal nur bedingt Thema.

Wenn man sich die aktuellen Formen des sogenannten „Klassenkampfes“ in Österreich ansieht, der sich nun in die zweite politische Ebene verlegt hat, muss man sich fragen was die Demokratie in unserem Land wert ist. Richtig, soviel dass Sie beide Meinungen zum „Couleurverbot“ toleriert.

Die Wurzeln mögen zwar nach wie vor bis in die Regierungsebene zu Werner und Django reichen, jedoch beschäftigen sich SPÖ und ÖVP kaum damit, ihre Vorfeldorganisationen (CV, VSSTÖ) sind allerdings schwerstens darin involviert.
Es geht um den Kampf gegen und für das sogenannte „Couleurverbot“, also das Tragen von tradionellen Bändern und Kopfbedeckungen der Farbenstudenten, auch gemeinhin als Couleurstudenten bekannt. Ich bin ja bei einem meiner letzten Beiträge schon leicht an dem Thema vorbei geschrammt, möchte dies nun näher erläutern.

Eines muss ich vielleicht noch einmal erneut erwähnen, ich war in den Jahren 2004-2008 im späteren akademischen Corps (C!) Ottonen aktiv und bin nach wie vor Senior (Vorsitzender) eines Papiertigervereins namens Corps (C!) Ottonen zu Wien, die Provokation mit einer Hommage an Monty Python’s Leben des Bryan’s gegenüber meiner alten Verbindung war durchaus gewollt, aber das muss echt nicht jeder verstehen. Seitdem ist mein Couleurname (Spitzname) „Unbequem“, zuvor war er Burstyn, benannt nach dem Erfinder des Kampfwagens (Burstyn Motorgeschütz).

Praktisch geht es um die nun erneut entflammte Diskussion um das Couleur, die insbesondere die UNI Wien erfasst hat und wo sich das Rektorat mit einem Verweis auf die Verfassung – was Bekleidungsverbote (Freiheitsrechte) anbelangt – und durch einen akademischen Diskurs, versucht aus der Affäre zu ziehen.

Dass die ÖH Wien dies so nicht akzeptiert und von einer völlig verkehrten Situation spricht, zeigt mir aber auch auf, dass die Medien nur teilweises Interesse an dem Diskurs haben und wir durch die stattfindende Berichterstattung nur eine recht verzehrte Darstellung der Geschichte erleben.

Die Diskussion ist nicht neu:

Was wir jetzt erleben, kommt dem Wahrmundjahr (Studentenkämpfe 1907/1908) recht nahe und führt auf verschiedenen Ebenen zu einem Kampf der auf unterschiedliche Art und Weise ausgetragen wird, Gewaltakte leider inklusive. Einziger Unterschied, hieß es damals Burschenschafter gegen Bibelbuxen (Konfessionell gebundene Verbindungsstudenten), zog sich in der jüngeren Vergangenheit der Kampf auf der Ebene Links gegen Rechts, der CV war nur am Rande involviert und als Zaungast in die Diskussion integriert.

Die Sache ist wirklich nicht neu, schon in meiner Aktivenzeit standen in Wien Farbbeutel-Attacken und Säure-Anschläge auf Budenhäuser auf der Tagesordnung. Die letzte Woche in FPÖ-TV präsentierte Burschenschaft (B!) Teutonia wurde z.B. damals schon bombardiert. Als ich an einem Abend im WS 2007/08 mit einem befreundeten Corpsstudenten nach ein paar Trinks im Corpshaus durch die Stadt bummelte, sahen wir die roten Flecken auf der Tafel am Haus der Teutonen, die immerhin in 3m Höhe hängt.

Mein Kompagnon meinte damals spöttisch „Recht gschiachts erna!“ und erklärte damit seine Abneigung gegenüber den Rechten, seine Verbindung war auch nicht gerade erfreut als das FBI (Freiheitliche Bildungsinstitut) in das selbe Haus einzog wo sie die Bude (Verbindungslokal) hat. Sie wurden ja nicht nur Opfer des Sarkasmus von „Wir Staatskünstler„, sondern befürchteten auch damals bereits einen Einbruch durch „Linksextreme“ die schon vor einigen Jahren keinen Unterschied zwischen liberalen, deutschnationalen und katholischen Verbindungen machten.

Er zeigte mir damals, dass an einer Gitterstange vor den Fenstern (Gitter sind bei Altbauten besonders im Erdgeschoss sehr üblich gewesen), schon jemand gesägt hatte.

Soviel zur Geschichte, die eben in Wien etliche Anzeigen, Ermittlungsverfahren und andere Probleme mit sich brachte, die alljährlichen Akademikerball-Demos sind nur das für die Öffentlichkeit sichtbarste Ventil dieser Auseinandersetzungen.

Die aktuelle Lage:

Nach der Präsentation des ÖH-Vorschlages rund um das angedachte Couleurverbot (der einer von fünf Punkten war), kam es ja zu einigen Krawallen wie auch öffentlichen Diskussionen.

Wörtlich forderte die ÖH der Uni Wien das Rektorat zur Umsetzung von folgenden fünf Punkten im Zuge der Diskussion um den wöchentlichen Bummel an der Rampe der UNI Wien auf:

Deshalb möge sich die Universitätsvertretung der Uni Wien dafür einsetzen, dass

 • die Verstrickungen der Uni Wien wissenschaftlich und kritisch aufgearbeitet wird.
• Personen, die einen positiven Bezug zum Faschismus hatten nicht mehr gewürdigt werden (z.B. Ignaz Seipel oder Konrad Lorenz). Bestehende Denkmäler müssen entsprechend kontextualisiert werden.
• das Tragen von „Couleur“ auf dem Universitätsgelände und bei Universitätsveranstaltungen untersagt wird.
• Die Universität Wien öffentlich wirksam ein klares Statement gegen rechtsextremes und deutschnationales Gedankengut, den wöchentlichen „Burschibummel“ sowie den Akademikerball abgibt.
• Weiters soll sie den Burschibummel sowohl auf dem Universitätsgelände als auch auf der Unirampe untersagen.

Und das Tragen von Couleur führt natürlich auch zu einer Diskussion die eben nicht nur Burschenschafter sondern auch Studenten vieler Couleur zu weit geht, der CV sieht sich hier direkt angesprochen, die Corps, Landsmannschaften (katholische wie auch schlagende), Sängerschaften, Akademische Turnvereine und die Verbindungen des „offiziell“ nicht farbentragenden KV (tun es vieler Orts trotzdem), Sie sind alle davon betroffen.

Letzte Woche (20.11.) hat der WCV (Wiener Cartellverband, Ortsverband des ÖCV) daher eine Diskussionsveranstaltung in der Wirtschaftsuniversität Wien organisiert zu der die Chefin der Wiener ÖH Stephanie Marx (der Name ist wohl Programm) ebenfalls geladen war. 
Ebenfalls anwesend war neben CV’ern und dem Historiker Dr. Bernhard Weidinger, der besonders durch seine Auftritte in der Barbara Karlich Show bekannte Soziologe und Farbenbruder Prof. Roland Girtler (C! Symposium) zu Gast und nahm besonders zum Thema Mensur Stellung.

Marx sprach nicht zuletzt auch eine vor Jahren im CV angedachte Änderung der äußeren Erkennungsmerkmale an, damit sich der CV von Burschenschaften besser differenzieren könne. Aus historischen wie auch traditionellen Gründen ist dies jedoch alles andere als einfach zu realisieren.

Besonders da der Vorschlag nun von „Links“ kommt, wird man dies als Vorgabe sehen, auf die man natürlich nicht nur aus Klientel politischen Gründen so nicht eingehen wird, „Weil was geht denn die Linken es an, wie ich mich kleide?“.
Interessant ist auch dass die Herkunft von Marx bislang in der Diskussion noch keine Rolle spielte, Sie ist dem Dialekt nach Deutsche und das insbesondere Wiener zu rassistischen Bemerkungen gegenüber Deutschen Staatsbürgern neigen, ist nichts neues, insbesondere wenn sich diese nach dem Wanderzirkus-Prinzip folgend in innerösterreichische Angelegenheiten einmischen und nach abgeschlossenem Studium das Land wieder verlassen und aus österreichischer Sicht „verbrannte Erde“ hinterlassen.
Man sieht, hier kommt auf beiden Seiten das ganze Portfolio der Kritik zur Entfaltung. 

Was übrigens auch ein bisserl auffällt ist, dass die ÖH der Uni-Wien sich quasi Gesichtslos gibt. Fotos von Mitgliedern/Mitarbeitern konnte ich auf der Homepage nicht finden und es dauert etwas bis man die Namen der Kollegen findet, meine Vertretung auf der TU Graz hat dahin gehend eine andere Politik und ein etwas übersichtlicheres Web-Design. Aber ok, das soll kein Kritikpunkt sein.

Ich habe nämlich durch Karin Stanger, ihres Zeichens Pressesprecherin der ÖH-Uni-Wien dankenswerterweise mehrere Links bekommen, darunter befand sich auch ein Audiomitschnitt der Diskussionsveranstaltung von letzter Woche. 

Von Ihr stammt auch dieser Link mit der Sammlung von Presseaussendungen der ÖH-Vertretung zum Thema Burschenschaften, Antifaschismus und der Couleurfrage, wie auch der Verweis auf die fünf Forderungen der ÖH-Uni Wien.

Gewalt ist keine Lösung:

Ein großes Thema ist hier natürlich die – ohne Fr. Marx jetzt hier etwas unterstellen zu wollen – anscheinend hohe Gewaltbereitschaft einzelner Personen (egal ob Sie Organisationen angehören oder nicht), deren Taten dann natürlich linken Organisationen und stellvertretend deren Obleuten gerne in die Schuhe geschoben werden.

Der Vorwürf dass die Linken die derzeitige Situation als Übergang in eine Linke-Gesellschaft sehen, in der Couleurs und nicht von ihnen tolerierte Meinungen keine Zukunft haben dürften, ist da nur einer von vielen.

Das führt nicht zuletzt zu Interpretationen im couleurstudentischen Lager, die ihren Kritikern und Gegnern unterstellen mit einer besseren Unterscheidung der katholischen Verbindungsstudenten gezielt Burschenschafter ausfindig machen zu wollen und diesen körperlichen Schaden zuführen möchten.

Dass FPÖ Chef Strache in einem solchen Kontext schon einmal von „Wir sind die neuen Juden“ gesprochen haben will, braucht dann auch niemanden mehr wundern.
Die Situation beginnt eben mit dem Versuch von Meinungsgeboten und – Verboten langsam zu eskalieren, ein tägliches Diskussionsthema ist es aber noch lange nicht und daher ist es auch medial nur als Randereignis aufzufassen, dass ein wahltechnisches Körberlgeld für die Parteien bringt, den Betroffenen bringt es jedoch nicht viel.

Die große Öffentlichkeit interessiert dieser „Elitenstreit„, in dem beide Seite gerne auch einmal aus purer Provokation Öl ins Feuer schütten, sowieso nicht. Auch wenn ich zugebe dass ich mir sehr wohl kritische Gedanken über die von Schneeweiß-Arnoldstein (den ich persönlich kenne) auf seiner Plattform „Couleurstudent“ veröffentlichten Kommentare mache und beim Interview mit Ewald Stadler auch darüber sprach.

Ich möchte zuletzt noch auf einem in dieser APA Meldung vom ÖCV-Präsidenten Stöckl erwähnten Vorfall eingehen, der sich laut Protokoll und meinen Informationen in der Kurzform in etwa so abspielte:

Eine nicht näher genannte, jedoch als „Links“ bezeichnete Person ist auf einen Couleurstudenten der Amelungia (Wiener CV Verbindung) losgegangen, der sich am Heimweg von jener oben erwähnten Diskussionsveranstaltung befand.

Er trug sein Couleur sichtbar, bis jemand ihm seinen Deckel im Bus abnahm und damit ausstieg. Er lief dem Täter nach und stellte diesen, das Handgemänge endete in einem Kampf ab Boden, bis eine durch den Busfahrer bemerkte und aufmerksam gemachte Polizeistreife sich dem Tatort näherte.

Der Täter drückte dem Couleurstudenten mit den Fingern die Augen in den Schädel, wobei jener sich in der Not mit einem Biss in den Zeigefinger wehrte.

Dieses Martyrium wurde durch eine patrouillierende Polizeieinheit schnellst möglich abgedreht. Näheres entnehmt ihr bitte dem von der Vorort-Verbindung  Rudolfina (Vorsitz führenden Verein im Wiener Cartellverband (WCV)), zur Verfügung gestellten Protokoll.

Summa Summarum ist die Diskussion eine nicht gerade einfache, was man auch in der Presseaussendung der ÖH-Wien im Anschluss zu der Diskussionsveranstaltung mit dem CV lesen kann. Die ideologische Debatte entlädt sich dann schon in den im jährlichen Zyklus stattfindenden Krawallen rund um den Akademikerball und die Frage, was kann toleriert werden und was nicht.
Was meiner Meinung nach definitiv nicht sein kann ist, dass man Gewalt gegen den politischen Gegner entkriminalisiert und befürwortet, das ist und bleibt keine Lösung und waren schließlich auch Werkzeuge der NAZI’s.
Weder in der Burschenschafter-, Ausländer-, oder in der Süd-Tiroler-Frage, darf Toleranz gegenüber Gewalt ausgeübt werden und damit Punkt.

Es ist immer ein politisch-demokratischer Konsens zu finden.
Demokratie kann also damit niemals stonk sein!

Cu Sivic…

Written by Sivic

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