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OFFENER BRIEF EINES MILIZ-SOLDATEN KRITISIERT DIE HEIMISCHE POLITIK

Der Miliz-Einsatz des Bundesheeres zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie steht schon länger in der Kritik. In einem offenen Brief hat ein Milizsoldat nun die Probleme und Mängel zusammengefasst, mit denen das Heer zu kämpfen hat.

MILIZSOLDAT KRITISIERT WEHRPOLITIK UND DEN RESPEKTLOSEN UMGANG DER POLITIK MIT DER MILIZ

Das Bundesheer steht erneut in der Kritik. Die Mobilmachung der Miliz dauerte etlichen Parteien und Medien zu lange, die ungleiche Bezahlung von freiwilligen und einbeorderten Soldaten sorgt innerhalb der Truppe für Unmut und die nun erfolgte Abrüstung von einem Drittel – nach gerade einmal zwei Wochen Feldeinsatz – der Mannschaften (600 Mann) wird ebenfalls kritisch gesehen.

Dabei geht es den negativen Stimmen nicht nur um die Probleme bei der Organisation und die ungleiche Behandlung die im Heeresgebühren-Gesetz festgeschrieben ist, sie bemängeln insbesondere die mangelnden operativen Fähigkeiten (zu wenige Fahrzeuge) und die nicht ausreichende Ausrüstung des Bundesheeres (kaum Funkgeräte, Holster, etc.) .

Besonders in der jetzigen Krise stechen die Sparpakete der letzten Jahrzehnte hervor und zeigen auf, dass sich die Wehrpolitik drastisch ändern müsste um die Streitkräfte wieder auf internationalen Standard zu bringen.

Miliz-Soldaten-Steiermark-Graz-Bundesheer
Bild: Ca. 1.750 Soldaten sind zum Covid-19-Einsatz einberufen worden. Die Bereitschaft für die Republik Dienst zu leisten ist groß, jedoch gibt es zunehmend kritische Stimmen, die wiederum die Zustände beim Bundesheer bemängeln.

In einem offenen Brief den ein anonym bleibender Miliz-Soldat an die Partnerredaktion Fass ohne Boden (FoB) gesendet hat, beschreibt der Milizionär die Probleme mit denen das Bundesheer konfrontiert ist und kritisiert auch, dass die Soldaten die Befehle aus den Medien und nicht von der Ministerin selbst erfahren.

So schrieb gegen über FoB über seine Beweggründe:
“Ich musste wieder einmal feststellen, wie ein unwahrscheinlich hoher Leistungswille der Soldaten von der Politik mit Füßen getreten wird! Dass wir unsere Befehle neuerdings zuerst aus den Medien erfahren, ist die Krönung der Minderschätzung gegenüber jenen Menschen, die freiwillig für Österreich eine Mehrleistung bringen!”

OFFENER BRIEF

“Sehr geehrte Damen und Herren, die mit der österreichischen Verteidigungspolitik zu tun haben!

Wir sind Bürgerinnen und Bürger, die von heute auf morgen zu Soldatinnen und Soldaten wurden. Wir sind diejenigen, die ihre Familien – Frauen/Männer und Kinder – unter schweren Bedingungen wie diesen für ungewisse Zeit alleine zu Hause lassen müssen. Wir sind diejenigen, die ihre Arbeit stehen lassen und ihr privates Leben stark zurückschrauben, um Wochenenddienste leisten zu können.

Wir sind die Miliz des Österreichischen Bundesheeres. Und wir geben überdurchschnittlich viel, um mit all unseren Kräften der Republik Österreich und dem österreichischen Volke zu dienen– wie es so schön bei der Angelobung heißt.

Wir rückten also in den verschiedensten Kasernen ein, um uns auf den Einsatz bestmöglich vorzubereiten. Auf den Einsatz, über den Sie entschieden haben! Der Kontrast zum Privatleben ist stark. Die Matratzen sind dünn, der Tagesablauf streng geregelt und die Privatsphäre auf ein Minimum reduziert. Der Einsatz selbst ist nicht einfacher. Das Unverständnis der Bevölkerung für die Kontrollen wird immer größer, womit am Ende des Tages wir zurechtkommen müssen.

Mit der Entscheidung, die Miliz teilmobil zu machen, haben Sie tief in unser Leben eingegriffen. Sie verlangen viel von uns!

Wir verlangen im Gegenzug von Ihnen, das jahrelange Hinweisen unserer militärischen Führung auf die finanziellen Nöte des österreichischen Bundesheeres ernst zu nehmen! Wir spüren diese jeden Tag, den wir im Dienst stehen!

Wir brauchen Fahrzeuge, bei denen wir nicht bei jedem Start fürchten müssen, dass sie nicht anspringen. Wir brauchen genug Sicherheitsholster, damit wir jeden Soldaten, der einen benötigt, auch damit ausstatten können. Wir brauchen Rucksäcke, die nicht zu kurz sind und in die Lendenwirbelsäule drücken. Wir brauchen Funkgeräte, die im Einsatz die Verbindung sicherstellen können, sodass wir nicht mehr private Handys verwenden müssen. Und wir brauchen, vor allem unter den Umständen einer Pandemie, ausreichend Reinigungsgerät, um unsere Unterkünfte sauber halten zu können.
Die angeführten Fehlstände sind nur wenige von vielen. Bei ihnen handelt es sich um grundlegende Ausstattungen, die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollten.

Wir brauchen diese Dinge, um unseren Dienst, also um den von Ihnen gegebenen Auftrag, ordentlich ausführen zu können! Wenn Sie unseren vollen Einsatz wollen, dann sollten Sie diesen auch wertschätzen! Wir legen Ihnen daher dringend nahe, dieses Mal die Versprechen in Richtung Budgeterhöhung für das Österreichische Bundesheer auch einzuhalten!

Mit freundlichen Grüßen”

Inside Politics bedankt sich bei den Kollegen von Fass ohne Boden für die Zurverfügungstellung des Schreibens.

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Written by Sivic

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