Anfang August gab die Austrian Airlines (AUA) bekannt, dass die Flugverbindung Wien-Graz eingestellt wird. Inside Politics-Redakteur Franz Zussner hat zusammengefasst wie die AUA auf das geänderte Marktumfeld reagiert.
AUSTRIAN AIRLINES (AUA) tief im Minus, Strecke Wien-Graz wird eingestellt
Die Lufthansa Tochter und heimische Qualitätsairline flog im ersten Halbjahr 2026 einen Verlust von 94 Mio. Euro (EBIT) ein. Trotz mehr Fluggästen (+6 %) und einer besseren Auslastung konnte der Verlust nicht abgemildert bzw. ein bescheidener Gewinn erzielt werden. Der Irankrieg und die enorm gestiegenen Kerosinpreise – mehr als 60 Mio. Euro zum Vergleichszeitraum des Vorjahres – sind lt. AUA CEO Annette Mann die Gründe für den Verlust der Fluglinie. Auch höhere Ticketpreise bis Juni konnten den Verlust nicht abfangen. Die hohen Gebühren am Standort Wien, wie Luftverkehrssteuern, Flughafen- und Flugsicherungsgebühren verstärken diesen Minustrend noch zusätzlich. Wie Frau Mann weiter betonte, ist der Luftfahrt-Standort Österreich, nach Deutschland der zweitteuerste in Europa und erfordert daher eine Reihe von Maßnahmen, wie z.B.: eine tragfähige und langfristige Luftfahrt-Strategie für den Standort Österreich. Die Gespräche mit allen Stakeholdern/Interessensgruppen dazu laufen aktuell konstruktiv, so Annette Mann. Durch eine teilweise Weitergabe der höheren Kosten (Ticket, Kerosin) und einer internen Kraftanstrengung, wie Effizienzsteigerungen im administrativen Bereich und in den Bereichen Flugbetrieb, Technik und Ground Handling sollen die Verluste minimiert werden, wobei aber die gewohnt hohe operative Zuverlässigkeit erhalten bleiben soll.
Streichung von Strecken – Umorientierung
Die Verbindungen nach Tiflis, Keflavik und Porto werden vorläufig pausiert und Nightstops in Kopenhagen, Warschau, Krakau und Klagenfurt werden aus dem Programm genommen. Bereits im laufenden Sommerflugplan wurde der Nightstop in Klagenfurt nicht mehr durchgeführt. Der kommende Winterflugplan muss daher ganz neu gedacht und auf defizitäre Verbindungen verzichtet werden. Hier trifft es vor allem den Flughafen Graz sehr hart. Ab 23. Oktober 2026 werden daher die Flüge Wien-Graz-Wien zur Gänze eingestellt.

Durch die frei werdenden Kapazitäten aufgrund der Nahost-Krise werden nun im Sommer vermehrt Verbindungen zu stark nachgefragten Destinationen in Europa angeflogen. Die enorme Nachfrage dazu stimmt uns zuversichtlich. Zu klassischen Ferienzielen, wie Palma/Mallorca, Dubrovnik, Barcelona, Nizza und Malaga gibt es bis zu 800 zusätzliche Flüge mehr. Nach Ponta Delgada, Ohrid, Bergen, Mytilini, Bastia, Bilbao und Alicante gibt es neue Verbindungen. Die Fluggäste buchen zwar aufgrund der geopolitischen Situation eher kurzfristiger, aber dann umso mehr. Die Nachfrage, gerade jetzt im Sommer, ist hocherfreulich gestiegen so die AUA-Managerin.
Investitionen und Flotte der Zukunft
Im Rahmen der Terminal 3 – Süderweiterung am Flughafen Wien (Eröffnung voraussichtlich im zweiten Quartal 2027) werden mehr als 5.000 qm Loungefläche neu eröffnet. Die neue Premium-Economy-Class wird ab Winter in den AUA Jets installiert und nach 30 Jahren erhalten alle Bediensteten neue Uniformen. Tragetests dafür laufen gerade. Der sogenannte „Flottenrollover“ hat schon begonnen. Dabei werden alle Embraer 195 Jets (17) die AUA Flotte verlassen. Vier davon sind bereits verkauft und die weiteren folgen sukzessive.

Bis 2029 soll daher die moderne AUA-Flotte aus nur mehr Flugzeugen der A320 Familie (A320neo und A320ceo) für die Kurz- und Mittelstrecke sowie aus 12 B787-9 für die Langstrecke bestehen. Eine Seltenheit, das gab es noch nie bei der AUA, die fast permanent ein ziemliches Flottenmix ihr Eigen nannte. Aktuell befinden sich drei „Dreamliner“ in der Flotte, zwei werden noch bis Ende 2026 dazu kommen. Die Zusammenarbeit (wet-lease) mit air Baltic und Air Dolomiti wird fortgesetzt, um auch zu Destinationen mit schwächerem Passagieraufkommen das richtige Fluggerät zur Verfügung zu haben. Die AUA muß liefern (schwarze Zahlen schreiben) sagte einst ein Vorstandsvorsitzender der LH-Group und sollte sie das tun, dann steht einer rosigen Zukunft nicht im Wege. Im nächsten Jahr 2027, feiert die AUA ihren 70. Geburtstag und dazu wünscht sich die AUA-Chefin Annette Mann ein klares Statement für eine tragfähige Zukunft des Luftfahrtstandortes Österreich und damit auch die von Austrian Airlines.
Bericht und Bilder: Franz Zussner
Bearbeitung: Claudio Schiesl
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