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300, Die Wahl die keiner mehr will!

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„Einen dritten Wahlgang wird’s net geben“, prophezeite ich am 22. Mai, dem war dann auch so, jetzt haben wir den Vierten.
Ich war ja bei den ersten beiden Wahlgängen in der Hofburg, mittlerweile sind wir fast 7 Monate weiter.
Nun denn, Van der Bellen versus Hofer heißt das ewige Duell, dass immer mehr Leute als „entbehrlich“ ansehen.

Zu Beginn etwas in eigener Sache, eigentlich hätte dieser Beitrag ein „völlig“ anderer werden sollen, denn Sivicsblog/ Inside Politcs knackt nun die 300er Marke und während mir die Gänsehaut über die Arme fährt, möchte ich mich bei allen Lesern, Hörern, Sehern und natürlich dem Team das dahinter steckt herzlichst bedanken.

Herzlichen Dank für die Treue und Unterstützung in all den Jahren!

So, und nun geht’s weiter, den Rest holen wir nach…

Wahlkampf oder Eiertanz?

Die Republik, die einmal keiner wollte und sich jetzt selbst demontiert, kommt nun zur Bundespräsidentenwahl die nur noch Extremisten und Radikale auf den Plan ruft, viele Wähler wollen eigentlich nicht mehr, als still und leise am Sonntag das zweite Licht am Adventkranz anzünden und in aller Ruhe zur Wahlurne gehen.
Das gilt auch für Inside Politics, wir werden diesmal nicht dabei sein und überlassen die Show der Konkurrenz.


Video: Ich musste es ja verschreien, nun geht’s in die „vierte“ Runde.

Das Interesse an den TV-Duellen scheint jedoch immer noch hoch zu sein, 844.000 Menschen sahen auf ORF II einen Schlagabtausch, der den geringen Respekt der beiden Kandidaten füreinander widerspiegelt, dabei wirkte beide schon sehr „anzipft“ voneinander.

Das Fass zum Überlaufen würde nur noch die erneute Wahlanfechtung bringen, dann steht die Republik politisch an, andererseits wäre das auch ein Schutzmechanismus vor Neuwahlen auf Nationalratsebene.

Bild: Wenn die Wahl nochmal wiederholt wird, werden wohl beide Herren zum Streiken anfangen.

Was sich wie böse Satire anhört ist es nicht mehr, in Wien konnte ich dieser Tage die Müdigkeit und das Ende der politischen Glaubwürdigkeit, den Leuten förmlich aus ihren Gesichtern herauslesen.

Hofer lässt sich in der Werbung von Gott helfen und Künstler rund um Van der Bellen, skandieren das österreichische Grunddiktat „Es bleibt dabei!„.
Praktisch jedes nur denkmögliche Szenario und Thema wurde in den letzten Monaten zur Diskussion gestellt, BREXIT, Süd-Tirol, ÖXIT Bundesheer-Reform, Burka-Verbot, EU-Beitritt der Türkei und persönlicher Umgang miteinander.

Aufgrund des niedrigen Abstands der beiden Kandidaten beim letzten Wahlgang, wird auch um jede Minderheit gekämpft.
„Wennst ein Interview mit Van der Bellen willst, sag einfach Du bist Buddhist und Du fühlst Dich benachteiligt“, der nicht ganz ernst gemeinte Tipp, stammte von einem Pastafari-Anhänger (vielleicht klappt es nach der nächsten Wahl mit der Anerkennung).

Doch mittlerweile verlangen die Leute nach Ergebnissen und Sie wissen sehr gut, dass diese nicht der Bundespräsident (der vermittelt maximal) sondern eigentlich nur die Regierung liefern kann, wenn man sie lässt.

Bild: Graue Eminizen wie Fritz Neugebauer, sind die wahren Macher „Österreichs“.

Tatsächlich sind es die Sozialpartner, Bundesländer und Vorfeldorganisationen welche den Ton im politischen Alltag angeben.
Wie ist es sonst zu verstehen, dass die gesamte Regierung antanzt wenn Fritz Neugebauer der Vorsitzende der Beamten-Gewerkschaft (GÖD), sein Amt an Nachfolger Norbert Schnedl vor versammelten Delegiertenhaus übergibt?

Bildungs- und Gewerbereform sind hier nur zwei weitere Beispiele, vom Rückzug des Bundeskanzlers bei der Überarbeitung der Mindestsicherung rede ich einmal nicht.

„Geh Fräulein, einmal Dritte Republik bitte!“

Van der Bellen und Hofer saßen sich also einmal noch im ORF gegenüber, begleitet von einer Statistin namens Ingrid Thurnher die dem Auftritt gerade noch beiwohnte.
Nicht so schlimm, so sahen wir nämlich unkommentiert wie die „Dritte Republik“ aussieht, die uns die Kandidaten servierten, als Zuseher hat es mir ehrlich gesagt gegraust, vielleicht bin ich deswegen auch eingeschlafen.


Video: Diese Herren scheren sich schon längst nicht mehr ums Niveau.

Beide Kandidaten kann man ja laut Martin Thür (ATV) nicht mehr alleine lassen, aber Ingrid Thurnher war nicht in der Lage diese zu zügeln (übrigens Ihr letztes TV-Duell vor dem Wechsel zu ORF III).
Trotz gestoppter 1.30 Minuten Redezeit und Glocke, gingen Hofer wie auch Van der Bellen aufeinander los, ohne nur den Hauch von Respekt für den Anderen durchklingen zu lassen.

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Bild: Zwei wie Pech und Schwefel, Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer.

Zwar dementiert Hofer die Wahl beeinspruchen zu wollen, Van der Bellen gibt dafür aber keine Garantie mehr ab, sollte dies geschehen, dann ist das Thema gegessen und die politische Glaubwürdigkeit, trotz möglicherweise legitimer Gründe, endgültig verbraten.

Während VdB auflistet, was Hofer von Neutralitätsabschaffung, bis ÖXIT alles gesagt hat, spricht der „Beklagte“ die ganze Zeit rein und zerstört die Argumentation mit einem Hahnengeschrei, dass an das letzte Kindergartenjahr erinnert.

Umgekehrt, zeigt VDB ebenso wenig Respekt vor Hofer, deutet ihm den Vogel, entschuldigt sich nicht einmal für solche Entgleisungen und verteidigt diese sogar als Teil des „professionellen“ Umgangs miteinander (Siehe dazu auch ATV).

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Bild: Erbsenzählerei oder Vernunft statt Extreme?

„Make Austria Great Again“, so schaut’s aus, Parteien sind ja laut Mitterlehner kein Freundschaftsclub, sondern eine Interessensvertretung. Warum erinnert mich das nur an Karl Farkas?
Politik ist also der dreckige Stall wo man sich ausmacht, wer welchen Platz für die nächsten fünf Jahre einnehmen darf? Weit hama’s bracht!

Van der Bellens Wahlslogan „Vernunft statt Extreme“ wirkt da schon fast wie Selbstläuterung.
Da verwundert es auch nicht, wenn sich die Kandidaten gegenseitig Hass-Postings vorlesen oder mit familiären Diffamierungen öffentlich aufräumen.
„Das ist doch wohl die Höhe!“, ist da noch ein höflicher Satz, Hofer wie auch Van der Bellen heucheln eigentlich nur noch einander und der Bevölkerung etwas vor, Niveau scheint nur noch in Spuren vorhanden.

Wenigstens brauchen sich die Moderatoren keine Sorge um Ihren Arbeitsplatz machen, bei diesem Kindergarten wird man auf Sie, nicht so schnell verzichten können.

Fazit:


„Sieht so also die dritte Republik aus?“,
Danke, können wir diesen überteuren B-Movie gleich überspringen und die Monarchie wieder einführen?

Denn wenn es so weitergeht, brauchen wir keine halbschlauen Konvente mehr, in denen wir uns über Österreich bis 2022 oder gar bis ins 22. Jahrhundert unterhalten.

Nein, unter diesen Umständen ist es Zeit die Koffer zu packen und abzumarschieren und garnicht erst nach Wien zur Wahl am Sonntag zu fahren.
Ich komme dann  Ende 2017 wieder, nachdem sich alle politischen Größen und das dazugehörige Fußvolk selbst zerfleischt haben, ist das Land für den Wiederaufbau bereit.

BIld: Unterm Kaiser hätt's das nicht gegeben.
BIld: Unterm Kaiser hätt’s das nicht gegeben.

Aber keine Sorge, der Kaiser hätte wohl auch weiß gewählt. Ich habe mich jedenfalls brav vorher noch abgemeldet und meine staatsbürgerliche Pflicht erfüllt.

Euer Sivic!

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Written by Sivic

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